Diskussion um Belastung durch Feinstaub:
Schon seit Tagen erhöhte Werte in Wien!
- Besonders gefährlich: Staub schwebt in Atemhöhe
- Rätseln über Ursache - Maßnahmen gefordert
In Wien wurde mit 87 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) zum fünften Mal hintereinander der Grenzwert von 50 Mikrogramm überschritten. Die Grazer Messstelle Don Bosco wies sogar einen Durchschnittswert von 189 auf. Im Bereich der Messstelle Eisenstadt lag der Wert über 150, so die Grünen. Rund um die erhöhten Belastungen wurde über Ursachen und Maßnahmen diskutiert.
"Dass die Feinstaubwerte in Wien ausgerechnet seit vergangenem Samstag ansteigen, seit sich der Straßenverkehr wegen der Semesterferien massiv reduziert hat, ist das beste Beispiel dafür, dass das Übersteigen der Grenzwerte nicht dem Pkw-Verkehr angelastet werden kann." So argumentiert ARBÖ-Präsident Herbert Schachter. Man sei sich der Problematik bewusst und trete für eine steuerliche Förderung für den Einbau von Partikelfiltern in Diesel-Pkw ein. Allerdings: "Feinstaub hat viele Ursachen, allen voran Industrie, Heizungen sowie Land- und Forstwirtschaft." Die konkrete Belastung hänge zudem von regionalen Verursachern und Wetterverhältnissen ab.
Anders argumentierte der VCÖ: Verkehrsbedingter Feinstaub sei für die Gesundheit besonders gefährlich, da dieser in Atemhöhe schwebt - im Gegensatz zu den Emissionen der Industrie und des Hausbrands. Durch Straßenverkehr werden in Österreich mehr als 9.000 Tonnen Feinstaub pro Jahr verursacht. "Die Gesamtsumme der Industrie ist so hoch, weil allein die Voest in Linz hohe Emissionen verursacht. Vom Hinweis auf diese Emissionen haben die betroffenen Menschen in Wien und Graz wenig", stellte Wolfgang Rauh vom VCÖ fest.
2.400 Menschen sterben laut WHO-Studie jährlich in Österreich an den Folgen der Feinstaubbelastung. Das berichtete Global 2000. Zwei Drittel dieser Todesfälle seien auf den hochgefährlichen und Krebs erregenden Dieselruß zurück zu führen. "Von den 6.400 Tonnen Feinstaub, die in Wien jährlich entstehen, werden 70 Prozent allein durch den Straßenverkehr verursacht", teilte die Umweltorganisation mit. Global 2000
Ein umfassendes Maßnahmenpaket forderte der grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen. Die Grünen wollen eine stärkere steuerliche Begünstigung für Fahrzeuge mit Partikelfiltern. "Die vorgesehene Begünstigung um 300 Euro ist viel zu wenig, um tatsächlich einen Lenkungseffekt zu erreichen. Zudem müssen auch unbedingt starke Anreize für Lkw geschaffen werden, Filter einzubauen", sagte Van der Bellen. Als weiteren wichtigen Punkt sieht Van der Bellen die Erhöhung der Bundeszuschüsse für den öffentlichen Nahverkehr. Der Grün-Politiker kündigte die Einbringung entsprechender Anträge im Nationalrat an.
Der VCÖ verlangte als kurzfristige Maßnahme die schnellere Beseitigung des Streusplitts sowie die Förderung des Umstiegs auf Öffentliche Verkehrsmittel. "Mittelfristig sind die Bus- und Bahnverbindungen vor allem für Pendler zu verbessern und für die Ballungsräume Wien und Graz ist eine City-Maut einzuführen." Global 2000 fordert Partikelfilter, außerdem müsse der Autoverkehr in den Ballungsräumen mittels Parkraumbewirtschaftung, City- oder Pkw-Maut zurückgedrängt, der Ausbau der Öffentlichen Verkehrsmittel vorangetrieben werden.
(apa/red)
