Schlechte Noten für die Schule: NEWS zeigt die besten Austro-Schulmodelle
- Experten verraten, wie unsere Kinder klüger werden
- Umfrage: Österreicher wollen eine total neue Schule

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Schule der Zukunft: Der NEWS-Report zum Schulstreit nach der PISA-Studie: Wie die Schule der Zukunft aussehen muss. Warum 56 Prozent die Ganztagsschule fordern. Und was unsere Kinder wirklich klüger und glücklicher macht...
Lokalaugenschein in der Mittelschule Kinkplatz in Wien-Penzing: Am Vormittag werden die Gesetze von Einstein und Co theoretisch erarbeitet, nachmittags folgt "Learning by doing" im nahen Technischen Museum. Das derzeit viel diskutierte Ganztagsschulmodell wird hier schon seit 30 Jahren praktiziert und ermöglicht eben solchen Intensivunterricht, für den in der reinen Vormittagsschule zu wenig Zeit bliebe. Außerdem ist diese Schule eine sanfte Form der "Gesamtschule": Hier werden die 10- bis 14-Jährigen im Team von Hauptschul- und AHS-Lehrkräften unterrichtet. Der Grundgedanke dieses Systems: Keine Trennung der Zehnjährigen auf Gymnasiums- oder Hauptschulniveau, und am Ende dieser vier Jahre ist der Wechsel ins Oberstufengymnasium leichter als aus der klassischen Hauptschule.
Schuldirektor Herbert Grassberger zieht eine positive Bilanz: "Ganztagsschüler gehen gerne in die Schule, denn bei uns herrscht eine familiäre Atmosphäre. Das positive Schulklima ist die beste Motivation für die Lehrer."
Bildungsgipfel
Ob dieses Schulmodell die Schule der Zukunft wird, wird in zehn Tagen beim "Bildungsgipfel" diskutiert. Denn der Schock über das Abrutschen beim PISA-Test in die Mittelmäßigkeit hat das österreichische Bildungssystem aus dem Dornröschenschlaf gerissen. Seither überschlagen sich Regierung und Opposition, Bildungsexperten, Lehrer und Eltern mit Vorschlägen, wie das österreichische Schulsystem wachgerüttelt werden kann.
Umfrage: Nur Mittelmaß
NEWS machte sich bei Experten und Eltern auf Spurensuche nach Schulmodellen der Zukunft. Wie die NEWS-Gallup-Umfrage zeigt, sind die Wünsche der ÖsterreicherInnen durchaus klar. Das derzeitige Schulsystem wird ähnlich benotet wie das PISA-Ergebnis, das der PISA-Chef Österreich, Günter Haider, als "bestenfalls internationales Mittelmaß" beurteilt hatte: mit der sehr durchschnittlichen Note 2,65. Die Mehrheit von 44 Prozent kann sich nur zur Note "Befriedigend" durchringen.
Mehrheit für echte Ganztagsschule
Für Veränderungen sind die ÖsterreicherInnen durchaus zu haben. Dem Vorschlag von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer, die Schule solle für Kinder bis 14 Jahre künftig bis zum Nachmittag dauern, können 56 Prozent etwas abgewinnen. 50 Prozent sprechen sich für Unterricht bis Mittag und Betreuung am Nachmittag aus. Fast ebenso viele, nämlich 45 Prozent, sind aber für die "echte Ganztagsschule", in der Unterricht, Übungen, Wiederholungen, Freizeit- und Sportstunden über den Tag verteilt sind, nicht bloß - wie zuletzt von Gehrer forciert - für eine Ausweitung des nachmittäglichen Betreuungsangebots.
Reserviert gegenüber der Gesamtschule
Zurückhaltung dagegen gibt es gegenüber der so genannten Gesamtschule, in der alle 6- bis 14-Jährigen gemeinsam unterrichtet und nicht in Hauptschule und Gymnasium getrennt werden: 59 Prozent lehnen diese Idee ab. Schade: Denn diese Schulform ist eines der Erfolgsgeheimnisse des PISA-Siegers Finnland. Viele Eltern sind skeptisch gegenüber der Ganztagsschule, weil sie fürchten, dass Sport und Kreativität zu kurz kommen.
Chancengleichheit
Ein anderes Ziel der modernen Schulpolitik ist es, Chancengleichheit, unabhängig von der sozialen Herkunft und dem Bildungsstand der Eltern eines Kindes, zu ermöglichen. In Finnland maturieren 60 Prozent der Jugendlichen - und das, wie der PISA-Test eindrucksvoll beweist, ohne Niveauverlust. Edlinger-Ploder bricht daher mit noch einem Tabu der ÖVP-Schulpolitik: Sie peilt die Gesamtschule an, "weil die gesellschaftlichen Veränderungen die politische Atmosphäre reif für tief greifende Reformen gemacht haben. Daher müssen wir uns endlich ernsthaft mit einer gemeinsamen Schule der 6- bis 14-Jährigen auseinander setzen."
Teure Schule
Die Schule der Zukunft, die alle klüger machen soll, wird es nicht zum Billigtarif geben. Derzeit wird der Ball zwischen Ministerium, Ländern und Gemeinden und Eltern hin- und hergeschupft. Dabei ist Österreichs Schulsystem eines der teuersten der Welt. Im OECD-Vergleich rangiert das Schulbudget unter den Top Ten. Trotzdem leisten Eltern einen gar nicht so kleinen Beitrag: Rund 170 Euro pro Monat und Kind machen die Kosten am Kinkplatz aus, neun Euro pro Tag für Betreuung, Mittagessen und Jause in der Aspernallee, rund 200 Euro monatlich in der Sport-Hauptschule Tulln, wo das Mittagmenü etwas teurer ist. Volkswirtschaftlich ist die Ganztagsschule übrigens günstig, errechneten Friedrich Schneider und Elisabeth Dreer von der Universität Linz: Mehr erwerbstätige Mütter, mehr Einkommen für Lehrer- und Betreuerteams bedeuten auch, dass diese mehr Steuern und Sozialversicherung zahlen und mehr konsumieren. Nach spätestens vier Jahren wären die Kosten der öffentlichen Hand kompensiert.
(Aus NEWS 5/2005)
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