Samstag, 5. Februar 2005

35-Stunden-Woche soll erhalten bleiben: Hunderttausende Franzosen auf der Straße

  • Protest gegen von der Regierung geplante Aufweichung
  • Von Lyon bis Marseille: 118 Demos im ganzen Land

Hunderttausende haben am Samstag in ganz Frankreich gegen die von der konservativen Regierung vorbereitete Aufweichung der 35-Stunden-Woche demonstriert. Allein auf der Kundgebung in Paris protestierten nach Gewerkschaftsangaben etwa 90.000 Menschen gegen die geplanten flexibleren Wochenarbeitszeiten, die gegenwärtig in der Nationalversammlung beraten werden. Massendemonstrationen gab es unter anderem auch in Bordeaux, Lyon, Toulouse, Rennes und Marseille.

Die großen Gewerkschaften und die oppositionellen Sozialisten hatten zu 118 Kundgebungen aufgerufen, um die Regierungspartei UMP und Premierminister Jean-Pierre Raffarin unter Druck zu setzen. Die Regierung will mit einer Aufweichung die Wettbewerbsfähigkeit des Landes stärken und es ermöglichen, "dass mehr verdienen kann, wer mehr arbeiten will." Danach könnten wieder bis zu 48 Stunden in der Woche gearbeitet werden. Die Linke kritisiert, so werde die in ihrer Regierungszeit im Jahr 2000 eingeführte 35-Stunden-Woche "beerdigt".

Gewerkschaften und Sozialisten riefen die Konservativen auf, den Gesetzentwurf zurückzuziehen. Neben der 35-Stunden-Woche ging es den Demonstranten um sichere Arbeitsplätze und Gehaltserhöhungen. Für die Gewerkschaften waren die Kundgebungen nach einer ersten Reihe von Streiks im Jänner ein Test auf ihre Fähigkeit zu mobilisieren. (apa/red)

5.2.2005 18:09