Donnerstag, 3. Februar 2005

2. Kündigungswelle: OeNB-Banknoten- druckerei kündigt weitere 35 Mitarbeiter

  • Betrieb wird von drei auf zwei Schichten reduziert
  • OeBS will noch in diesem Jahr Umschwung schaffen

Die in wirtschaftliche Turbulenzen geratene Banknotendruckerei der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) startet laut einem Zeitungsbericht eine zweite Kündigungswelle: Die Oesterreichische Banknoten- und Sicherheitsdruckerei (OeBS), hundertprozentige Tochter der Nationalbank, kündigt weitere 35 Mitarbeiter und fährt ihren Betrieb von drei auf zwei Schichten zurück.

Laut OeBS-Geschäftsführer Kurt Meyer würden die Kündigungen dieser Tage beim Arbeitsmarktservice AMS angemeldet. Derzeit werde noch mit dem Betriebsrat verhandelt, ein Sozialplan sei in Arbeit. "So etwas ist die Mutter Nationalbank nicht gewöhnt", wird Meyer zitiert.

Schon 2004 hat sich die OeBS, die im Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB) Euro-Noten druckt und bei Ausschreibungen Aufträge für das Drucken internationaler Banknoten zu akquirieren versucht, von 80 Mitarbeitern getrennt. Gekündigt wurden damals rund 40 Leute: Die anderen konnten ihr Rückfahrticket in die OeNB, aus der die Druckerei 1998 ausgegliedert und ins kalte Wasser der Selbstständigkeit geworfen worden war, nützen oder sie waren bei Personalbereitstellern beschäftigt. In den Schoß der Mutter Notenbank könne sich diesmal niemand mehr flüchten, schreibt der "Standard". Jetzt werde wirklich "freigesetzt" (Meyer), der Personalstand sinkt auf 215 Mitarbeiter.

Grund für die Aufräumarbeiten in der Hochsicherheitsdruckerei mitten in Wien seien der Auftragsstand und die Folgen der ausgeprägten Schräglage, in die das Unternehmen zuletzt durch einen Auftrag für eine halbe Milliarde Singapur Dollars (Auftragsvolumen: rund 20 Mio. Euro) geraten sei. Managementfehler, Abwicklungs- und Qualitätsprobleme hatten diesen Auftrag fast zum Kippen gebracht.

Die Folge: Nachdem der ehemalige OeNB-Vorzeigebetrieb Druckerei schon 2003 einen Verlust eingefahren hatte, wurde im Herbst das Führungsteam ausgetauscht, zu guter Letzt kam auch noch der Rechnungshof (RH) ins Haus (sein Rohbericht soll Ende Februar fertig sein). Laut "Standard" endete das Jahr 2004 für die OeBS wieder mit einem Verlust, diesmal von rund 20 Mio. Euro.

Dafür soll der vertrackte Singapur-Auftrag inzwischen repariert sein. Er bringe "positive Deckungsbeiträge", sagte Meyer der Zeitung. An der nächsten Ausschreibung für weitere 200 Mio. Dollar (153 Mio. Euro) werde man sich wieder beteiligen. Hingegen nicht beteiligen wird sich laut "Standard" die deutsche Konkurrentin Giesecke & Devrient an der OeBS: Gespräche endeten - angeblich aus rechtlichen Gründen - in einer Sackgasse.

Erfüllen sich die Pläne und Hoffnungen der neuen OeBS-Manager, dann werde der Druck auf die Gelddrucker heuer nachlassen, schreibt das Blatt weiter. Mit dem "Kraftakt" (Meyer) Personalabbau und Schichtreduktion soll die Notenbank-Tochter heuer den Umschwung schaffen und eine schwarze Null erwirtschaften.
(apa)

3.2.2005 12:31