Mittwoch, 2. Februar 2005

Sechste Erhöhung seit Juni 2004: US-Notenbank erhöht Leitzinsen auf 2,50 Prozent

  • Höhere Zinsen sollen Preisniveau in Schach halten
  • US-Wirtschaft auf robustem Wachstumspfad

Die US-amerikanische Notenbank Fed hat ihren Kurs der moderaten Zinserhöhungen am Mittwoch wie erwartet fortgesetzt. Sie erhöhte den Satz für Tagesgeld um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent. Ausschlaggebend war nach Einschätzung von Ökonomen die Tatsache, dass die US-Wirtschaft auf robustem Wachstumspfad ist und teurere Kredite in Kauf nehmen kann. Gleichzeitig sollen höhere Zinsen helfen, das Preisniveau in Schach zu halten.

Die Fed setzte damit ihre "Politik der kleinen Schritte" fort und hob zum sechsten Mal in Folge seit Mitte vergangenen Jahres ihr Zinsniveau an. Die US-Notenbank zeigte sich überzeugt, dass der neue vorsichtige Erhöhungsschritt die robuste Konjunktur nicht dämpfen werde. Schon im Juni, August, September, November und Dezember hatte die US-Notenbank ihr Zinsniveau jeweils um einen viertel Prozentpunkt angehoben, wodurch eine Phase vierjähriger Zinssenkungen beendet worden war. Der jüngste Anhebungsschritt um weitere 0,25 Prozent war allgemein erwartet worden.

Der Offenmarktausschuss deutete an, dass die Zinsen weiter in kleinen Schritten steigen werden. Das Zinsniveau sei, gekoppelt mit dem robustem Produktivitätswachstum, weiter wachstumsstimulierend. Weder im Bezug auf das Wachstum noch auf die Preisstabilität sieht die Notenbank zur Zeit Risiken. "Der Ausstoß scheint moderat zu wachsen, obwohl die Energiepreise gestiegen sind, und die Situation am Arbeitsmarkt bessert sich nach und nach", teilte der Ausschuss mit. Auch Inflationsgefahren seien nicht in Sicht. Sollte sich der Wirtschaftsausblick ändern, werde die Notenbank entsprechend reagieren.

Ökonomen gehen davon aus, dass die Notenbank die Zinsschraube in den nächsten Monaten weiter um jeweils einen viertel Prozentpunkt anzieht. Fed-Chef Alan Greenspan strebt dem Vernehmen nach ein wachstumsneutrales Niveau zwischen 3,5 und 4,5 Prozent an. Die Leitzinsen waren nach Rezession, Terroranschlägen, das Vertrauen der Anleger erschütternden Bilanzskandalen und einem schleppendem Aufschwung bis auf 1,0 Prozent gesunken, das niedrigste Niveau seit fast 50 Jahren. Im Juni 2004 läutete die Notenbank die Zinswende ein.

Die US-Wirtschaft legte im vergangenen Jahr 4,4 Prozent zu. Für das laufende Jahr deuten Prognosen auf rund 3,5 Prozent hin. Allerdings waren die Preise gleichzeitig so stark angezogen wie seit vier Jahren nicht mehr: mit 3,3 Prozent im vergangenen Jahr. Die Notenbanker haben auf ihrer zweitägigen Sitzung darüber diskutiert, ob sie ein klares Inflationsziel einführen sollen. Fed-Chef Alan Greenspan gilt als Skeptiker, weil der Offenmarktausschuss damit an seiner Ansicht nach an Flexibilität einbüßt. Andere Banker argumentieren, dass dies die Transparenz erhöhe.

Mit dem Zinssteigerungskurs sucht die Fed die Inflation einzudämmen, die durch die Ölpreiserhöhung zeitweise an Fahrt gewonnen hatte. Der Offenmarktausschuss geht jedoch davon aus, dass die Preissteigerung auch langfristig eingedämmt werden könne. Deshalb könne die Anpassung der Zinsen auch künftig in einem "maßvollen" Rhythmus fortgesetzt werden, hieß es in der Erklärung.

Am Donnerstag wird dann auch die Europäische Zentralbank (EZB) über ihre Zinsen beraten. Experten erwarten dabei keine Veränderung gegenüber dem bisherigen Stand von zwei Prozent.
(apa/red)

2.2.2005 21:23