Grasser bei Trinkgeld-Diskussion immer mehr in Defensive: Befreiung gilt ab 1999
- Finanzminister verordnet die Rückwirkung
- Sowohl Bar- und Kreditkartenzahlungen in Zukunft befreit
·Trinkgelder sind in Zukunft steuerfrei!
"Kein Rückzieher": Totale Kehrtwende von Grasser
Die von Finanzminister Grasser geplante Steuerbefreiung für Trinkgelder nach dem Modell Deutschlands soll rückwirkend bis zum Jahr 1999 gelten, hieß es am Mittwoch von der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Damit seien auch alle anhängigen Fälle erfasst, stellte der Obmann des Fachverbands Gastronomie nach einem Treffen mit Grasser fest, bei dem die Eckpunkte der Regelung festgelegt wurden.
Im Vollzug soll auch festgehalten werden, dass keine Umsatzsteuerpflicht für Trinkgelder besteht. Die anhängigen Fälle werden damit einkommenssteuermäßig mit einem "Null-Ergebnis" abgeblasen. In den vergangenen Monaten war es in Wiener Innenstadt zu mehreren Betriebsprüfungen durch das Finanzamt in Sachen Trinkgeldsteuer gekommen, diese waren im Dezember auf Eis gelegt worden.
Von der Lohn- und Einkommenssteuer befreit werden sollen künftig alle Trinkgelder, also Bar- und Kreditkartenzahlungen. Die Befreiung wirke sich auch auf den Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds, auf den Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag sowie auf die Kommunalsteuer aus. "Es gibt in diesem Bereich keinerlei Unternehmensbesteuerung mehr", bemerkte der Obmann der Tourismussparte, Johann Schenner. Unverändert bleiben soll hingegen die Trinkgeldpauschale in der Sozialversicherung, die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist.
86 Prozent gegen Trinkgeld-Besteuerung
Finanzminister Grasser hat mit seiner Kehrtwende in Sachen Trinkgeldsteuer offenbar auch den Vorstellungen der österreichischen Bevölkerung über eine Steuerbefreiung entsprochen. 85 Prozent der Österreicher würden die Einhebung einer Einkommenssteuer auf Trinkgelder für "nicht gerechtfertigt" halten, während 11 Prozent eine Besteuerung als gerechtfertigt sehen. Dies geht aus dem der APA vorliegenden aktuellen "Infoscreen Monitor" des Marktforschers OGM hervor, der alle zwei Wochen die Meinung der österreichischen Bevölkerung zu relevanten Wirtschaftsthemen erhebt.
Kritisch sehen die Befragten allerdings die Großzügigkeit ihrer Landsleute beim Trinkgeld. Die Hälfte der Befragten meint, die Österreicher würden beim Trinkgeld "knausern", 18 Prozent halten die Österreicher für "großzügig". 32 Prozent meinen, das Ausmaß des Trinkgelds sei "gerade richtig".
Die Ergebnisse der Umfrage basieren auf 500 Telefoninterviews mit Österreichern ab 18 Jahren am 31. Jänner. Die maximale Schwankungsbreite liegt bei plus/minus 4,5 Prozent.
(apa/red)

