Mittwoch, 2. Februar 2005

Arbeitslosigkeit erreicht in Österreich neuen Rekord: 360.000 haben keinen Job!

  • Anstieg um 1,1 Prozent gegenüber Jänner '04 auf 9,1%
  • Akademikerarbeitslosigkeit stieg am stärksten

Am österreichischen Arbeitsmarkt ist weiterhin keine Entspannung in Sicht. Im Gegenteil: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Jänner auf den höchsten Stand der Zweiten Republik gestiegen. Mit 316.017 Jobsuchenden wurde bei den absoluten Zahlen der höchste Wert der Zweiten Republik registriert. Zählt man jene Jobsuchenden, die in Schulungen sitzen dazu, erhöht sich die Zahl auf über 360.000!

Im Jahresvergleich stieg die Arbeitslosigkeit im Jänner um 1,1 Prozent oder um 3.569 Betroffene, gegenüber Dezember nahm die Zahl der Jobsuchenden saisonbedingt um 17.868 Personen oder um 6,0 Prozent zu. Dies geht aus den heute, Mittwoch, vom Arbeitsmarktservice (AMS) veröffentlichten Arbeitsmarktdaten für Jänner hervor.

Rechnet man zu den offiziellen Arbeitsmarktdaten die 48.065 in Schulung befindlichen Personen dazu, erhöht sich die Jänner-Arbeitslosigkeit auf 364.082 Jobsuchende. Im Jahresvergleich nahmen die Schulungen um 22,2 Prozent oder um 8.730 Kurse zu. Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit waren Frauen mit plus 1,9 Prozent auf 108.558 Personen stärker betroffen als Männer mit plus 0,8 Prozent auf 207.459 Jobsuchende. Mit einem Plus von 4,9 Prozent fiel der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Akademikern besonders stark aus.

Bartenstein bedauert
Bedauerlicherweise bringe der Wirtschaftsaufschwung noch nicht die erhoffte Entspannung am Arbeitsmarkt, so Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein (V) zu den aktuellen Arbeitsmarktdaten für Jänner. Offensichtlich sorge das derzeitige Wachstum von rund 2 Prozent zwar für einen deutlichen Beschäftigungsanstieg von 1,4 Prozent oder 44.000 Beschäftigten mehr im Jahresabstand, dies sei aber nicht ausreichend, um das gestiegene Arbeitskräftepotenzial vollständig am Arbeitsmarkt unterzubringen.

Beschäftigung gestiegen
Die Beschäftigung in Österreich nahm im Jänner im Jahresvergleich zu. Beim Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger waren 3,152.210 unselbstständig Beschäftigte gemeldet, das waren um 1,41 Prozent oder um 43.907 Personen mehr als vor einem Jahr. Gegenüber Dezember nahm die Beschäftigung hingegen saisonbedingt um 15.004 Personen oder um 0,47 Prozent ab. Der Beschäftigungszuwachs gegenüber dem Vorjahr dürfte zu einem großen Teil auf Teilzeitkräfte entfallen, wird von Arbeitsmarktexperten vermutet.

Die nationale Arbeitslosenquote blieb im Jahresvergleich mit 9,1 Prozent unverändert und verharrte damit auf dem zweithöchsten Wert der vergangenen zehn Jahre. Die EU-Quote blieb mit 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr unverändert und liegt damit nach Irland (4,3 Prozent) und Luxemburg (4,4 Prozent im November) an dritter Stelle in der EU.

Sinkende Zahl in Wien
Ende Jänner waren 89.430 Personen in Wien arbeitslos vorgemerkt, ein Minus von 5.085 Personen oder 5,4 Prozent gegenüber dem Jänner 2004. Es waren 33.068 Frauen (-2.145, - 6,1 Prozent) und 56.362 Männer (-2.940, -5 Prozent) vorgemerkt.

In Niederösterreich Anstieg um 2,1 Prozent
Ende Jänner 2005 waren beim AMS NÖ insgesamt 56.424 Personen arbeitslos vorgemerkt, um 3.273 (+6,2%) mehr als im Vormonat und um 1.164 (+2,1%) mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres. "Die prognostizierte Trendwende auf dem nö. Arbeitsmarkt lässt somit weiter auf sich warten", betont AMS NÖ-Chef Werner Homrighausen, "zumal dieser Bestand an vorgemerkten Arbeitslosen nur durch eine neuerliche Ausweitung der Schulungsaktivitäten des AMS NÖ in Grenzen gehalten werden konnte."
(apa/red)

2.2.2005 11:58