Sonntag, 6. Februar 2005

"Vielleicht mein größter Sieg": Janica Kostelic muss sich neue Ziele suchen

  • Der Super G sollte von nun an im Blickpunkt stehen
  • Die Kroatin steht auf Bruce Willis und Bode Miller

Janica Kostelic hat mit ihren 23 Jahren bereits alles gewonnen - drei Mal Olympiagold, vier Mal WM-Gold, zwei Mal den Gesamt-Weltcup. Dementsprechend schwer wogen ihre Worte nach der WM-Goldmedaille in der Abfahrt am Sonntag in Bormio: "Das war vielleicht mein größter Sieg." Das "Stehaufweibchen" aus Kroatien hat sich einen lang ersehnten Wunsch erfüllt, denn Kostelic wollte unbedingt einmal eine Abfahrt gewinnen. Nun klappte es ausgerechnet bei einem Großereignis mit dem Premierensieg in der "Königsdisziplin".

Damit ist Kostelic zu WM-Halbzeit das weibliche Pendant zu Männer-Superstar Bode Miller, so wie der US-Amerikaner (Abfahrt und Super G) ist auch Kostelic (Kombination und Abfahrt) in Italien bereits zwei Mal ganz oben gestanden. Bereits vor zwei Jahren bei der WM in St. Moritz war genau jenes Duo das erfolgreichste der gesamten WM gewesen, nur Miller und Kostelic waren in der Schweiz doppelt vergoldet worden. Brisantes Detail am Rande: Kostelic zählt Gegenstück Miller zu den "attraktivsten Läufern im Weltcup-Zirkus".

Eigentlich müsste die "Jenny" und "Jani" genannte kleine Schwester von Slalom-Weltmeister Ivica bereits jetzt mit 23 Jahren die Ski an den Nagel hängen, denn im Dezember 2004 hatte sie gemeint: "Mein letztes großes Ziel ist ein Abfahrtssieg." Der ist nun gelungen. "Damit hätte ich niemals gerechnet." Doch Kostelic hat schon wieder ein neues Ziel: Einen Triumph im Super G. In dieser Disziplin war die Salomon-Fahrerin bei der WM gar nicht an den Start gegangen.

Janica denkt gar nicht an weitere Medaillen
"Wenn man etwas erreicht, dann will man immer noch mehr", weiß Kostelic, dass noch lange nicht Schluss sein soll. In Santa Caterina will sie sich aber nun keinen Druck mehr auferlegen. "Ich habe zwei Goldmedaillen, das ist fantastisch. Ich denke gar nicht an weitere Medaillen." Und das, obwohl ihre absolute Paradedisziplin, der Slalom (17 Weltcup-Siege), noch gar nicht ausgefahren worden ist.

Ihre Wandlung zur Abfahrerin, die jener ihrer großen schwedischen Konkurrentin Anja Pärson gleicht, wurde nun in der Lombardei mit dem Wunschtitel gekrönt. "Mir hat die Abfahrt schon immer gefallen. Doch nach Verletzungen musste ich mich auf die technischen Disziplinen konzentrieren. Mittlerweile habe ich aber keine Angst mehr vor der hohen Geschwindigkeit und den weiten Sprüngen. Ich glaube, das sieht man auch."

Dass sie auf Action steht, beweist u.a. auch die Tatsache, dass ihr Lieblingsschauspieler Bruce Willis heißt. Die Sportidole sind die Ex-Basketballer Michael Jordan und Dennis Rodman.

Mutter Marica ortete kein Geschick ihrer Tochter auf Skiern
Mit drei Jahren startete Janica ihre Skikarriere - wenig erfolgreich. Mutter Marica beendete das Intermezzo auf den Pisten, da sich das Töchterchen einfach zu ungeschickt anstellte. Erst mit zehn Jahren hat Kostelic wieder mit dem Training beim SC Zagreb begonnen. Dort wurde dann aber unter den Fittichen ihres couragierten und engagierten Vaters Ante schnell klar, welch großer Star sie werden könnte. Auf nationaler Ebene war sie unschlagbar.

Wie 1999 in St. Anton, als sie mit der Kombi ihren ersten Weltcup-Sieg feierte. Damit war die "Croatian Sensation" geboren. Gestoppt wurde sie seitdem nur durch schwere Verletzungen - wie nach ihrem schweren Sturz 1999 in St. Moritz, als ihr rechtes Knie völlig kaputt war. Die Kroatin kehrte zum ersten Mal zurück, aber nicht zum letzten Mal.

Das bisher letzte Mal hat Kostelic ihre Steherqualitäten im vergangenen Jahr unter Beweis gestellt. Die Saison 2003/2004 hatte sie auslassen müssen, da ihre Schilddrüse entfernt worden war. Neuerlich beantwortete sie die Frage "Wie stark kommt sie zurück?" auf ihre Art. Gleich zu Saisonbeginn knallte die Dame aus Zagreb einen Comeback-Sieg im Aspen-Slalom hin. Im Weltcup mischt sie um den Gesamtsieg mit, bei der WM ist sie nun der absolute weibliche Superstar - die Antwort lautet also einmal mehr: "Sehr stark!"

(apa/red)

6.2.2005 17:21