Freitag, 4. Februar 2005

Janica Kostelic ist die Königin von Bormio:
Kroatin holt sich in Abfahrt ihre 2. Goldene!

  • Renate Götschl hinter Elena Fanchini auf Platz drei!
  • Dorfmeister und Wirth ausgefallen; Meissnitzer nur 22.

Auch die Abfahrt hat bei der Ski-WM in Santa Caterina ein Sensationsergebnis bei den Damen gebracht. Slalomstar Janica Kostelic krönte sich zwei Tage nach Gold in der Kombination 0,26 Sekunden vor dem 19-jährigen WM-Neuling Elena Fanchini aus Italien zur Abfahrts-Weltmeisterin. Wie eine Woche zuvor Anja Pärson im Super G hat auch Kostelic zuvor in dieser Disziplin noch kein Rennen gewonnen. Einzige "logische" Favoritin auf dem Podest war Renate Götschl, die mit Bronze Österreichs Abfahrts-Ehre rettete.

Im wahrsten Wortsinn. Denn Alexandra Meissnitzer verpatzte die Abfahrt als 22. und Viertletzte völlig, Katja Wirth schied ebenso aus wie Michaela Dorfmeister, die nach dem Canaleto-Sprung stürzte und sich dabei eine Schienbeinprellung und ein leichtes Schleudertrauma zuzog. So riss einmal mehr "Speed-Queen" Götschl die ganze Verantwortung an sich und holte die Kastanien für die ÖSV-Damen aus dem Feuer.

Kostelic führt vor Fanchini und Lindsey Kildow, als sich Götschl mit Nummer 28 als letzte vom Start abstieß. Zumindest bis zur zweiten Zwischenzeit sah es dann ganz danach aus, als ob die Steirerin den Sensationserfolg der 17-fachen Siegerin von Weltcupslaloms noch verhindern könnte. 51 Hundertstel lag sie dort vor der Kroatin, danach fand Götschl aber nicht mehr die optimale Linie und musste sich am Ende sogar hinter Fanchini einreihen, die am Sonntag ihr erst fünftes Rennen im Kreis der Weltklasse bestritt.

Kostelic ist nun wie vor zwei Jahren bereits Doppelweltmeisterin, mit dem Riesentorlauf und dem Slalom kommen "ihre" Disziplinen aber erst. Und fast hätte es in dieser verrückten WM-Abfahrt sogar das Sensationsduell gegen Pärson gegeben, denn die Schwedin war bei der ersten Zwischenzeit absolut Schnellste, baute dann aber wie Götschl ab und wurde am Ende Siebente.

Meissnitzer kam mit dem Schnee "einfach nicht zurecht"
Was bezeichnend war für das, was seit einer Woche auf der Piste Deborah Compagnoni vorgeht. Auf dem aggressiven Kunstschnee ist die Ski-Abstimmung schwierig, auch die ÖSV-Damen hatten bis zur letzten Sekunden gerätselt und getüftelt. Bei Meissnitzer, vor zwei Jahren noch Vizeweltmeisterin, half es nichts. "Ich habe drei Paar Ski, Schuhe und Platten probiert, nichts ging. Ich komme mit diesem Schnee einfach nicht zurecht", war die Salzburgerin nicht unfroh, dem WM Ort nun den Rücken kehren zu können.

Götschl hatte am Samstag wenigstens noch eine Ursache für ihre Probleme gefunden. Sie griff am Sonntag zu einem weicheren Skischuhmodell und rettete so für den ÖSV eine Medaille. Mit Bronze komplettierte sie ihren WM-Medaillensatz: "Die Woche war so zäh, deshalb freut es mich, dass es am Ende doch noch halbwegs gut gegangen ist", sagte Götschl. "Natürlich bin ich unten viel zu viel in der Gegend herum gefahren, aber das ist eben so, wenn du kein Vertrauen hast."

Damenchef Mandl meinte: "Renate hat sich ordentlich gesteigert. Wir müssen wirklich froh sein, dass es noch eine Medaille gegeben hat, mit etwas Pech gibt es gar nichts", fühlte er sich an die Herrenabfahrt vom Vortag erinnert. "In Österreich erwartet man immer mehr, speziell wenn man zwei Favoritinnen am Start hat. Da ist der Druck besonders groß, da tut sich eine Fanchini schon viel leichter."

Dorfmeister kam mit Beule und Schleudertrauma davon
Den Druck bekam auch Mitfavoritin Dorfmeister zu spüren. Die Niederösterreicherin kam mit viertbester Zwischenzeit zum Canalatto-Sprung, landete problemlos, verschnitt dann aber mit dem linken Ski und stürzte in ihrer letzten WM-Abfahrt schwer. Mit kaputtem Rennanzug, einem leichten Schleudertrauma und einer Riesenbeule am Schienbein tauchte Dorfmeister im Ziel auf. "Mehr als das schmerzt aber das Herz, weil ich ja gut dabei war. Wenn dir das als Mitfavoritin passiert, tut das echt weh", sagte Dorfmeister.

Ihre Erklärung: "Ich bin weiter gesprungen als die Mädchen vor mir. Trotz optimaler Landung hat es den Ski verschnitten, die Kanten waren superscharf, da gab es nichts mehr zu korrigieren", schilderte Dorfmeister und gab zu: "Ich hatte Riesenglück. Hätte es mir die Ski auseinander gerissen, wäre ich wohl im Helikopter runter gekommen."

Ergebnis der WM-Abfahrt im Detail:

1.Janica KostelicCRO1:39,90 Min.
2.Elena FanchiniITA1:40,16+0,26+7,54 m
3.Renate GötschlAUT1:40,29+0,39+11,30 m
4.Lindsey C. KildowUSA1:40,52+0,62+17,92 m
5.Ingrid JacquemodFRA1:40,86+0,96+27,66 m
6.Jessica Lindell-VikarbySWE1:40,98+1,08+31,08 m
7.Anja PärsonSWE1:41,07+1,17+33,64 m
8.Hilde GergGER1:41,32+1,42+40,73 m
9.Nadia StygerSUI1:41,37+1,47+42,14 m
10.Isolde KostnerITA1:41,58+1,68+48,06 m
11.Emily BrydonCAN1:41,59+1,69+48,34 m
12.Jonna MendesUSA1:41,79+1,89+53,96 m
13.Sylviane BerthodSUI1:41,96+2,06+58,71 m
14.Daniela CeccarelliITA1:42,09+2,19+62,34 m
15.Fränzi AufdenblattenSUI1:42,35+2,45+69,56 m
16.Magda MattelFRA1:42,39+2,49+70,67 m
17.Julie DuvillardFRA1:42,46+2,56+72,61 m
18.Petra HaltmayrGER1:42,47+2,57+72,88 m
19.Chimene AlcottGBR1:42,50+2,60+73,71 m
.Janette HarginSWE1:42,50+2,60+73,71 m
21.Carole Montillet-CarlesFRA1:42,70+2,80+79,23 m
22.Alexandra MeissnitzerAUT1:43,12+3,22+90,74 m
23.Kelly VanderbeekCAN1:43,23+3,33+93,74 m
24.Urska RabicSLO1:43,43+3,53+99,18 m
25.Cathrine MeisingsetNOR1:44,79+4,89+135,61 m

(apa/red)

4.2.2005 14:49