Freitag, 4. Februar 2005

Benni Superstar: Erfolgshunger von Weltmeister Raich ist noch nicht gestillt!

  • Medaillenhamster hat Weltcup und Olympia im Visier
  • PLUS: Raich im Porträt und alle Infos zur Ski-WM 2005!

Jubelstimmung in Bormio: Die österreichische Delegation feierte die erste Goldene. Kombinations-Held Benjamin Raich sorgte im besten Skiteam der Welt für Erleichterung und gute Stimmung. Was ist für den bis dato einzigen Zweifach-Medaillengewinner nun in Italien noch alles möglich, wird der 26-Jährige zum absoluten Superstar der WM? "Wer will das nicht? Aber das Wichtigste für mich ist, dass das in meinem Kopf kein Thema ist. Es warten noch drei Rennen, in denen mir nichts geschenkt wird", betont Raich, auf dessen WM-Fahrplan noch die Einsätze in Riesentorlauf, Slalom und Teambewerb stehen.

Fest steht, dass der Erfolgshunger von Raich noch lange nicht gestillt ist. "Meine aktuellen Ziele sind die WM und der laufende Weltcup - da kann ich noch einiges erreichen." Erst dann gilt der Blick auch den Olympischen Spielen 2006 in Turin. Auch Weltcup-Siege in allen Disziplinen, was bisher als einzigem Österreicher Günther Mader gelungen ist, traut sich Raich zu: "Logisch, das Potenzial ist da, und ich arbeite dafür sehr hart. Aber wenn ich es nicht schaffe, werde ich auch weiter leben."

Dass Raich nun den Titel "Weltmeister" trägt, bedeutet ihm aber jede Menge. "Das war immer ein großes Ziel von mir, es wird mich aber menschlich hoffentlich nicht verändern. Aber Weltmeister ist Weltmeister. Das ist nicht irgendein Weltcup-Rennen, sondern ein Rennen, das es nur alle zwei Jahre gibt. Insofern ist es natürlich etwas ganz Besonderes."

Benni kann nichts aus der Ruhe bringen
Was Raich in den Momenten nach der Zieldurchfahrt durch den Kopf geschossen ist, beschreibt er folgendermaßen: "Erleichterung, denn so etwas passiert nicht von selbst. Es steckt sehr viel Arbeit dahinter. Aber vor allem habe ich Dankbarkeit empfunden. Es gibt sehr viele Menschen, die Anteil an meinen Erfolgen haben: die Familie, die Skifirma, mein Servicemann, die Trainer."

Gratulationen am Fließband, ein Interview jagte das andere - den Stress "danach" steckte Raich aber genauso gekonnt weg wie die extreme körperliche und geistige Beanspruchung während des Kombi-Tages. "Kein Problem, ich genieße es. Das ist ein großer Tag für mich", versicherte Raich, der von Freundin Marlies Schild telefonische Glückwünsche erhielt.

Monsterprogramm lässt Raich völlig kalt
Dabei ist der begeisterte Kletterer und Bungee-Jumper ein Mensch, der eigentlich gar nicht so gerne im Mittelpunkt steht. "Ich dränge mich nicht auf. Aber ich stehe deswegen im Mittelpunkt, weil ich in einer gewissen Sache etwas drauf habe - und das taugt mir dann."

Monsterprogramm im Weltcup und bei WM, psychische und physische Extrembelastungen, Journalistenfragen - das alles lässt Raich völlig kalt. "Vor dem zweiten Slalom-Durchgang war ich sogar so cool, dass ich versuchen musste, Spannung aufzubauen. Ich war kein bisschen nervös. Das passiert mir normalerweise maximal bei einem FIS-Rennen", gestand der Sieger von bisher 15 Weltcup-Rennen und nunmehr fünf Medaillen (1 Gold, 1 Silber, 3 Bronze) bei Großereignissen.

Was kann den bodenständigen Tiroler eigentlich aus der Ruhe bringen? "Sehr wenig, am ehesten aber Respektlosigkeit. Leute, die zu aufdringlich sind", meint Raich und verweist auf ein erst kürzlich passiertes Erlebnis im Rahmen des Schladminger Nachtslaloms, als ein penetranter weiblicher Fan dem Pitztaler mit einer Videokamera den Nerv zog.

(apa/red)

4.2.2005 10:32