Erste WM-Goldmedaille für Österreich: Benjamin Raich gewinnt die Herren-Kombi!
- Svindal holt Silber, Rocca Bronze. Walchhofer auf Platz 4
- Alpinchef Hans Pum: "Benni hat Nerven wie Drahtseile"
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Gold für Österreich! Im dritten Bewerb der Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Bormio hat Benjamin Raich die erste Goldmedaille für den ÖSV geholt. Der Pitztaler gewann am Donnerstag die Kombination und holte sich seinen ersten Titel bei einem Großereignis. Nicht nur für Raich, sondern auch für Österreich war es ein historischer Erfolg - Rot-Weiß-Rot jubelte nämlich vor vollem Haus im Zielraum der "Stelvio"-Piste über die 75. Goldene der WM-Geschichte.
Raich siegte nach Abfahrt und zwei Slalom-Durchgängen mit einer Gesamtzeit von 3:19,10 Minuten ganz klar vor dem Norweger Aksel Lund Svindal (+ 0,91 Sekunden) und dem italienischen Lokalmatador Giorgio Rocca (0,98). Das undankbare "Blech" blieb wie im Super G am vergangenen Sonntag (Hermann Maier) auch im zweiten Herren-Bewerb den Österreichern - Michael Walchhofer, der nach der Abfahrt überlegen in Front gelegen war, wurde Vierter und verpasste Bronze um 0,47 Sekunden.
Mario Matt, 2001 in St. Anton Vizeweltmeister in der Kombination, hatte im Slalom Pech mit dem Wind und wurde Elfter, WM-Debütant Kurt Engl schied bereits in der Abfahrt aus. So wie Topfavorit und Titelverteidiger Bode Miller, der nach seinem Ausfall mit seiner "Ein-Ski-Show" über die "Stelvio" für Show und Begeisterung sorgte.
Mit der Goldenen in der Kombi hat Österreich Platz eins in der Medaillenwertung übernommen. Hauptsächlich dafür verantwortlich zeichnet natürlich Benni Raich, der seiner Bronzenen im Super G nun Kombi-Gold folgen ließ. Für die Silberne hatte Walchhofer im Super G gesorgt.
Vor zwei Jahren bei der WM in St. Moritz war Raich noch vom Pech verfolgt gewesen - in Slalom, Kombination und Riesentorlauf war der Slalom-Weltcupsieger 2001 vor dem Entscheidungslauf jeweils auf Rang zwei gewesen, den Schweizer Nobelort musste er aber dennoch ohne Edelmetall verlassen.
Wie nervenstark Raich mittlerweile ist, bewies er spätestens in Bormio, wo er im entscheidenden Slalom-Durchgang den Riesenvorsprung auf seine Verfolger locker ins Ziel brachte und dort erleichtert die Ski in den Himmel streckte. "Gold war immer schon ein großer Traum von mir und heute ist er wahr geworden. Seit meinem Sieg in Schladming läuft es einfach phänomenal", jubelte der in Überform fahrende Raich, der sogar selbst von seiner Coolness überrascht war. "Vor dem Finale war ich überhaupt nicht nervös. Ich war schon immer ziemlich cool, aber so wie es heuer läuft, das ist wirklich fein."
Zwei Medaillen hat Raich schon, dabei folgen noch Slalom, Riesentorlauf und Teambewerb. Klar, dass die ÖSV-Spitzencrew vom Tiroler Aushängeschild begeistert war. "Benni hat Nerven wie Drahtseile", meinte Alpinchef Hans Pum. "Das erste Gold bei einem Großereignis glänzt immer ganz besonders", war Herrenchef Toni Giger erleichtert. Genau so wie ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel: ""Wir freuen uns riesig. Das ist die erste Goldene hier für uns, das entlastet sehr."
An der zweiten Medaille um einen Platz vorbeigeschrammt ist Walchhofer, "Ein blöder Platz", lautete der erste Kommentar des Salzburgers. "Ich habe mein bestes versucht, aber das war speziell im Slalom zu wenig. Da fehlt es mir im Kopf. In der Abfahrt weiß ich ganz genau, was zu tun ist."
"Vom Winde verweht" wurde im Slalom Mario Matt, der in der Abfahrt lediglich 2,73 Sekunden auf Walchhofer verloren hatte. "Das war nicht mein Tag. Es ist natürlich schade, dass bei einer WM solche Dinge entscheiden. Da trainiert man die ganze Woche, verbessert sich und dann hat man solche Verhältnisse", ärgerte sich der Tiroler, für den die Windverhältnisse an der Grenze zum Irregulären waren. Der zweite Durchgang war für den Flirscher dann nur noch ein Trainingslauf für den noch auf dem Programm stehenden WM-Spezial-Slalom.
Ein Einfädler im zweiten Durchgang des Slaloms kostete Medaillenhamster Kjetil Andre Aamodt die 20. Medaille bei einem Großereignis - der Norweger, ursprünglich Zweiter, wurde im Nachhinein aus der Wertung genommen. Die norwegische Kombi-Tradition nahtlos fortgesetzt hat dafür Aksel Lund Svindal, der 22-Jährige holte Silber. Bereits die zweite Medaille bejubelten die Italiener: Slalom-Spezialist Giorgio Rocca wurde Dritter.
Offizielle Kombi-Siegerehrung erst am Samstag
Die offizielle Siegerehrung der WM-Kombination der Herren findet erst mit zweitägiger Verspätung am Samstag statt. Damit muss sich Sieger Benjamin Raich noch etwas gedulden, ehe er seine erste Goldmedaille bei einem Großereignis offiziell überreicht bekommt. "Das habe ich ehrlich gesagt noch nie erlebt. Der Fanclub wird wohl zur Siegerehrung noch einmal anreisen müssen", meinte Weltmeister Raich, der am Donnerstagabend seinen Sieg im Österreich-Haus feierte. (apa)
| Endstand der WM-Kombination der Herren: | ||||||
| 1. | Benjamin Raich | AUT | 3:19,10 Min. | . | 1:53,41 | 1:25,69 |
| 2. | Aksel Lund Svindal | NOR | 3:20,01 | +0,91 | 1:53,70 | 1:26,31 |
| 3. | Giorgio Rocca | ITA | 3:20,08 | +0,98 | 1:54,30 | 1:25,78 |
| 4. | Michael Walchhofer | AUT | 3:20,55 | +1,45 | 1:51,76 | 1:28,79 |
| 5. | Silvan Zurbriggen | SUI | 3:20,98 | +1,88 | 1:53,95 | 1:27,03 |
| 6. | Lasse Kjus | NOR | 3:21,34 | +2,24 | 1:53,76 | 1:27,58 |
| 7. | Daniel Albrecht | SUI | 3:21,37 | +2,27 | 1:54,17 | 1:27,20 |
| 8. | Pierrick Bourgeat | FRA | 3:21,53 | +2,43 | 1:54,82 | 1:26,71 |
| 9. | John Kucera | CAN | 3:22,73 | +3,63 | 1:53,71 | 1:29,02 |
| 10. | Francois Bourque | CAN | 3:22,90 | +3,80 | 1:53,59 | 1:29,31 |
| 11. | Mario Matt | AUT | 3:23,15 | +4,05 | 1:54,49 | 1:28,66 |
| 12. | Ted Ligety | USA | 3:23,95 | +4,85 | 1:57,30 | 1:26,65 |
| 13. | Bjarne Solbakken | NOR | 3:24,47 | +5,37 | 1:54,03 | 1:30,44 |
| 14. | Didier Defago | SUI | 3:24,51 | +5,41 | 1:52,96 | 1:31,55 |
| 15. | Andrej Jerman | SLO | 3:24,80 | +5,70 | 1:54,24 | 1:30,56 |
| 16. | Ondrej Bank | CZE | 3:25,30 | +6,20 | 1:56,06 | 1:29,24 |
| 17. | Manuel Osborne | CAN | 3:25,89 | +6,79 | 1:53,56 | 1:32,33 |
| 18. | Bernard Vajdic | SLO | 3:25,91 | +6,81 | 1:57,70 | 1:28,21 |
| 19. | Borek Zakouril | CZE | 3:26,88 | +7,78 | 1:55,48 | 1:31,40 |
| 20. | Alex Antor | AND | 3:26,98 | +7,88 | 1:56,03 | 1:30,95 |
| 21. | Patrik Järbyn | SWE | 3:28,32 | +9,22 | 1:53,95 | 1:34,37 |
| 22. | Stefan Georgiew | BUL | 3:28,59 | +9,49 | 1:58,31 | 1:30,28 |
| 23. | Michal Kalwa | POL | 3:30,15 | +11,05 | 1:59,18 | 1:30,97 |
| 24. | Dmitrij Uljanow | RUS | 3:30,92 | +11,82 | 1:59,39 | 1:31,53 |
| 25. | Pawel Tschestakow | RUS | 3:31,93 | +12,83 | 1:56,12 | 1:35,81 |
| 26. | Jaroslav Babusiak | SVK | 3:33,34 | +14,24 | 1:59,98 | 1:33,36 |
| 27. | Michail Sedjankow | BUL | 3:33,86 | +14,76 | 2:00,12 | 1:33,74 |
| 28. | Nikolaj Skriabin | UKR | 3:38,09 | +18,99 | 2:01,40 | 1:36,69 |
| 29. | Florentin-Daniel Nicolae | ROM | 3:44,31 | +25,21 | 1:59,40 | 1:44,91 |
Ausgeschieden in der Abfahrt u.a.: Bode Miller (USA-TV)
Ausgeschieden im 1. Slalom-Durchgang u.a.: Kurt Engl (AUT)
Disqualifiziert nach dem 2. Slalom-Durchgang u.a.: Kjetil-Andre Aamodt (NOR)
(apa/red)
