"Zeitnahme-Chaos" hat nun eine Ordnung:
Die FIS bestätigt das Schladming-Ergebnis
- Zeiten waren korrekt, Manipulation von außen möglich
- Dennoch: Italien zieht vor Sportgerichtshof in Lausanne
·'Schladminger Zeit': Kasper fürchtet sich
FIS-Präsident denkt an Imageschaden für Sport
·FIS: Italiener klagen
wegen Schladming
Kasper hält Annullierung des Slaloms für möglich
Der Internationale Skiverbandes (FIS) hat einen Protest des italienischen Skiverbandes gegen die Wertung des Weltcup-Nachtslaloms von Schladming am 25. Jänner abgewiesen. Die Beschwerdekommission der FIS hat die Jury-Entscheidung bestätigt, wonach die Zeiten des Italieners Giorgio Rocca und des Österreichers Manfred Pranger im ersten Durchgang vor dem zweiten korrigiert wurden. Davon lassen sich die Italiener nicht beeindrucken, sie ziehen vor den Sportgerichtshof in Lausanne an, wie der italienische Verbandspräsident Gaetano Coppi ankündigte.
"Wir wollen diese Sache klären", meinte der Funktionär. Coppi sieht nach einem Gespräch mit dem österreichischen Verbandspräsidenten Peter Schröcksnadel ein, dass der ÖSV keine direkte Verantwortung für die Zeitkorrektur at. "Die Beziehungen zwischen dem ÖSV und dem italienischen Skiverband sind wegen des Schladming-Slaloms nicht angekratzt, wir fordern aber Klarheit".
Causa Schladming mit Folgen?
Trotz der FIS-Entscheidung bleibt aber weiterhin ein Problem: ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel meinte nach der Verwirrung, es könne nicht mehr ausgeschlossen werden, dass ein Störenfried tatsächlich versucht hat, mit einer externen Lichtquelle die Zeiten zu manipulieren. Deshalb wird der ÖSV Strafanzeige gegen Unbekannt erstatten.
Unabhängig davon, was diese Anzeige ans Tageslicht bringt, kann der Schladming-Slalom aber die Zukunft des Skisports im Ganzen verändern. Denn der Endbericht des Instituts für Sportwissenschaften in Innsbruck, das in Labor- und Feldversuchen der Sache auf den Grund gegangen war, belegt, dass eine vorzeitige Auslösung der Zeiten bei Skirennen durch professionelle Lichtquellen prinzipiell möglich ist. Auch aus größerer Entfernung. "Mir ist das Ganze gleich spanisch vorgekommen, deshalb haben wir diese Untersuchung in Auftrag gegeben", so Schröcksnadel in Italien.
Schuldbewusster Fotograf erwies sich als unschuldig
Beim Schladminger "Nightrace" mussten bekanntlich nach dem ersten Durchgang die Zeiten von Giorgio Rocca, Manfred Pranger und Rainer Schönfelder korrigiert werden, bei Schönfelder um gleich über drei Sekunden. Ein schuldbewusster Privat-Fotograf, der sich beim ÖSV gemeldet hat, kommt als unabsichtlicher Übeltäter aber nicht in Frage. Laut dem Bericht von Univ.Doz. Werner Nachbauer sind Licht-Manipulationen bis zu einer Entfernung von 50 Metern möglich, von da müsste man aber einen Punkt auf dem Lichtschranken "befeuern", der einen Durchmesser von maximal einem Meter hat.
Sabotage durch einen Hacker?
An professionelle Sabotage glaubt beim ÖSV freilich vorerst niemand. Eher an einen Verrückten oder einen Wichtigtuer. "Es gibt edle und unedle Motive. Wir gehen momentan eher von einem Hacker aus, der Bewunderung sucht", so ÖSV-Geschäftsführer Klaus Leistner. Einen Revancheakt, weil der ÖSV seit dieser Saison den Zeitnehmungspartner gewechselt hat, schließt Schröcksnadel kategorisch aus. "Das hat niemand notwendig. Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien und ich spreche auch nicht von Sabotage. Nur, dass es eher kein Zufall war."
Dass der Slalom letztlich trotz anhaltender Störversuche korrekt abgewickelt werden konnte, spricht laut Schröcksnadel für die Professionalität des Timing-Partner Alge. Die Zeitnehmung ist ja mit zwei Lichtschranken, vier elektronischen Uhren und einer "Handstoppung" mehrfach abgesichert. "Es gab immer die korrekten Zeiten, nur zunächst auf diversen Anzeigen eben nicht", so Schröcksnadel. Diesbezüglich hat der ÖSV deshalb sogar die letzten 15 Weltcuprennen untersucht. Ergebnis: Alles korrekt. Schröcksnadel: "Man braucht also keine Sorge zu haben, dass in der Vergangenheit manipuliert worden ist."
"Zielfotos" gegen externe Manipulationen
Offensichtlich ist aber, dass nun die Möglichkeit externer Manipulationen von Zeitnehmungen mit Lichtschranken als bewiesen anzusehen ist. Was Verrückten oder Betrügern Tür und Tor öffnen könnte. Schröcksnadel plädiert daher, schon in der kommenden Saison zusätzlich "Zielfotos" zu verwenden oder Läufer mit Chips auszustatten.
Kurioses Detail am Rande: Über den Italien-Protest gegen die Jury-Entscheidung in Schladming hätte an sich schon vor dem WM-Kombi-Slalom entschieden werden müssen, weil sich bei einer Annullierung des Rennens ja auch die Weltrangliste und damit die Startreihenfolge geändert hätte.
(apa/red)
