Stadionbau in Klagenfurt vor dem Aus: Entscheidung über Vergabeverfahren vertagt
- Gutachter sollen bis Montag Expertise vorlegen
- Millionenklage wegen vorzeitiger Veröffentlichung angekündigt
Vertagt wurde am Mittwochabend die Entscheidung über den Neubau des Klagenfurter Fußballstadions. Nach einer fast sieben Stunden dauernden Krisensitzung in Wien wurde beschlossen, die Gutachter Josef Aicher und Michael Holoubek mit einer Expertise zu beauftragen, ob das Vergabeverfahren trotz der vorzeitigen Veröffentlichung aller Anbote weitergeführt werden kann. Das erklärten der Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher (V) und sein Vize Ewald Wiedenbauer (S) am Mittwochabend auf Anfrage der APA übereinstimmend.
Die "Kärntner Woche" hatte am Mittwoch die Details aller sechs Bieter für den Neubau des Klagenfurter Fußballstadions veröffentlicht. Laut Scheucher handelt es sich dabei um einen "klaren Verstoß gegen die Vergabeordnung". Dadurch besteht nun das Risiko, dass das Vergabeverfahren - am Freitag hätte der Bestbieter bekannt gegeben werden sollen - abgebrochen werden muss. Ob dies tatsächlich so ist, sollen nun Aicher und Holoubek klären.
Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer (F) zeigte sich in einem ORF-Interview nur noch wenig optimistisch. Er meinte, er sehe persönlich keine Möglichkeit mehr für Klagenfurt, es gelte nun, über Alternativen nachzudenken. Die Veröffentlichung der sechs eingereichten EM-Projekte sei jedenfalls "strafrechtlich zu verfolgen". Die Stadt Klagenfurt hat bereits Strafanzeige erstattet. Scheucher und Wiedenbauer erklärten in einer Aussendung, man werde bei Ermittlung des Täters diesen mit einer Schadenersatzklage von 100 Millionen Euro konfrontieren.
ÖFB-Präsident Friedrich Stickler sagte zu der Causa, die UEFA erwarte sich, dass Österreich und die Schweiz für die Euro 2008 acht Fußballstadien stellen werde. Mit nur sieben Fußball-Arenen werde es nicht gehen, sollte das Projekt scheitern, werde es künftig "große Probleme" für Österreich bei der Ausrichtung internationaler Sportveranstaltungen geben. Wörtlich meinte Stickler im ORF-Interview: "Ich bin fast schon ein Berufsoptimist und gehe davon aus, dass Klagenfurt ein Fußballstadion bekommt."
Auch Stickler gab sich erzürnt über die vorzeitige Veröffentlichung der Projekte. Derjenige, der das getan habe, könne sich wohl den Schaden nicht vorstellen, der angerichtet worden sei, dieser könnte in die hunderte Millionen Euro gehen. Ob Alternativprojekte in St. Pölten oder Linz möglich wären, könne er nicht beurteilen, sagte der ÖFB-Präsident.
Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) und Sportreferent LHStv. Peter Ambrozy (S) bekräftigten, dass sie hinter dem Stadionprojekt stehen würden. Haider meinte, man müsse alles tun, um die Realisierung zu ermöglichen. Ambrozy sagte, wer die Daten an die Öffentlichkeit gebracht habe, dürfe künftig kein öffentliches Amt mehr bekleiden.
Der Chefredakteur der "Kärntner Woche", Uwe Sommersguter, will mit Sicherheit den Informanten nicht nennen, obwohl jetzt der "Druck" auf die Redaktion steigen würde. Man habe auf Basis der vorliegenden Fakten einen Überblick über die Stadionprojekte gegeben, immerhin sollen 50 bis 80 Millionen Euro Steuergeld investiert werden. Zudem sei der Großteil der Informationen öffentlich bereits bekannt gewesen, sagte Sommersguter gegenüber der APA.
(apa/red)
