Donnerstag, 3. Februar 2005

Georgiens Ministerpräsident Schwanija in Wohnung eines Freundes tot aufgefunden

  • Innenminister: Offenbar einer Gasvergiftung erlegen
  • Unterstützte Oppositionskandidat Saakaschwili

Der georgische Ministerpräsident Surab Schwanija (Schwania) ist tot aufgefunden worden. Er sei im Haus eines Freundes anscheinend an einer Gasvergiftung gestorben, teilte das Innenministerium am Donnerstag mit. Ein krimineller Hintergrund werde nicht vermutet. Der 41-jährige Schwanija war Anfang 2004 ernannt worden, nachdem Präsident Michail Saakaschwili nach einer Protestwelle wegen Wahlfälschungen an die Macht gekommen war.

Sein Vorgänger Eduard Schewardnadse hatte sich zum Rücktritt gezwungen gesehen und sein Amt abgegeben. Saakaschwili berief eine Dringlichkeitssitzung des Kabinetts ein und sprach von einem schweren Schlag für das Land und ihn persönlich.

Schwanija führend bei Revolution
Schwanija stand mit Saakaschwili an der Spitze der "Rosen-Revolution" Ende 2003, die zum Sturz Schewardnadses geführt hatte. Er soll der einflussreichste Berater des heute 37-jährigen Präsidenten gewesen sein. Beiden wurde zugleich eine gewisse Rivalität nachgesagt, die aber niemals in der Öffentlichkeit sichtbar wurde. In den oft angespannten Beziehungen zwischen Saakaschwili sowie der Regierung Russlands und den Rebellen im eigenen Land wirkte Schwanija als Vermittler.

Auch Vizegouverneur tot
Seine Leiche wurde von einem Leibwächter gefunden. "Weil er längere Zeit nicht ans Telefon ging, hat ein Leibwächter das Fenster eingeschlagen (...) und die Leiche von Herrn Schwanija gefunden", sagte Innenminister Wano Merabischwili im Fernsehen. Die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete, Schwanija habe sich im Haus von Raul Jusupow befunden, dem Vizegouverneur einer Region Georgiens. Auch er sei tot aufgefunden worden.

Schwanija sei in einem Sessel nahe der Gasheizung gesessen. Vergiftungen durch Gasheizungen sind in Georgien keine Seltenheit. Ein Gerichtsmediziner der Polizei sagte, am Körper des Toten gebe es keine Anzeichen für Fremdeinwirkungen. Ergebnisse eines Bluttests, die weiteren Aufschluss über die Todesursache geben könnten, sollten noch am Donnerstag vorliegen.
(apa)

3.2.2005 13:41