Dienstag, 1. Februar 2005

Ephraim Kishon in Tel Aviv beigesetzt: Hunderte erwiesen ihm die letzte Ehre!

  • Nur in israelische Flagge gewickelt in Erde gelegt
  • Grabstein wird 30 Tage nach der Beisetzung aufgestellt

Bewegender Abschied von Ephraim Kishon: Hunderte Trauergäste haben den weltberühmten israelischen Schriftsteller am Dienstag in Tel Aviv zur letzten Ruhestätte geleitet. Im Beisein seiner drei Kinder und seiner österreichischen Ehefrau, der Autorin Lisa Witasek, wurde Kishon am Nachmittag auf dem Trumpeldor-Friedhof im Stadtzentrum beigesetzt - an der Seite seiner 2002 verstorbenen Ehefrau Sara ("Die beste Ehefrau der Welt"). Der Bestsellerautor, der für ein Millionenpublikum schrieb, war am Samstag im Alter von 80 Jahren in seinem Zweitwohnsitz in der Schweiz an einem Herzinfarkt gestorben.

Am Vormittag war der in eine israelische Flagge gehüllte und mit Blumen geschmückte Sarg im Journalistenhaus Bet Sokolov in Tel Aviv aufgebahrt worden. Mehrere israelische Politiker, darunter die Bildungsministerin Limor Livnat, sowie Künstler und alte Freunde bezeugten den Angehörigen ihr Beileid. Der für seinen Humor und seine Selbstironie berühmte Holocaust-Überlebende aus Ungarn hat mehr als 50 Bücher geschrieben, in denen er den Alltag in Israel und die menschlichen Schwächen aufs Korn nahm. Allein im deutschsprachigen Raum verkauften sich seine Bücher 32 Millionen Mal.

"Im Herzen der Stadt, die er liebte" sei der Erfolsautor begraben worden, sagte sein ältester Sohn Rafi (48). Mit einem Lächeln verwies er darauf, dass das Grab des in Budapest geborenen Kishon nur ein paar hundert Meter von einem ungarischen Restaurant ("Kischpipa", Kleine Pfeife) entfernt liegt, das die Familie früher fast jeden Samstag besucht habe. "Ich hoffe, das gefällt ihm."

Nur in die israelische Flagge gewickelt, wurde Kishon in die Erde gelegt. Durch diese Art der Bestattung soll das religiöse "Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub" so schnell wie möglich erfüllt werden. Die Trauergäste legten Blumenkränze und kleine Steine - als Symbol für die Ewigkeit - auf das frische Grab. Der Grabstein wird 30 Tage nach der Beisetzung aufgestellt.

Kishons letzte Ehefrau Lisa Witasek (48) verbarg die Tränen hinter einer schwarzen Sonnenbrille. Eine große deutsche Delegation von Verlags- und Theatermitarbeitern habe wegen schlechten Wetters nicht aus München abfliegen können und deshalb das Begräbnis verpasst, sagte sie bedauernd. Kishon hat seine Bücher in der Verlagsgruppe Langen Müller Herbig veröffentlicht, mit deren Verlegern ihn auch private Freundschaft verband.

Immer wieder verwiesen Freunde und Angehörige darauf, wie sehr den bei Lesern weltweit beliebten Kishon die mangelnde Anerkennung der Kritiker in Israel kränkte. "In Ephraims Seele klaffte ein schwarzes Loch", sagte sein alter Wegbegleiter, der ehemalige Justizminister Josef Lapid. "Er konnte einfach nicht glauben, dass er wirklich geliebt wird." Es sei deshalb sehr schade, dass Kishon die tiefen Liebes- und Respektbezeugungen der letzten Tage nicht mehr habe miterleben können. Mit dem berühmten Satiriker werde ein "wichtiges Kapitel der israelischen Kultur" und die "Behörde für den israelischen Humor" zu Grabe getragen.

Mitunter erinnerte die eher private Begräbniszeremonie an eine der satirischen Geschichten Kishons über das israelische Alltagsleben - etwa, als sich eine junge Frau aus einem der Wohnhäuser direkt hinter der Friedhofsmauer aus dem Fenster beugte und lautstark mit einer Freundin auf der Straße unterhielt. Auch der Trauergesang des Kantors wurde immer wieder vom lauten Hupen der Autos auf der nahe gelegenen Ben Yehuda-Straße unterbrochen. (apa/red)

1.2.2005 16:24