Mittwoch, 2. Februar 2005

Präsident Köhler vor der Knesset: "Shoah ist Teil der deutschen Identität"

  • Verantwortung dafür Teil der Identität Deutschlands
  • Ist für Koexistenz Israels mit Palästinenser-Staat

Der deutsche Bundespräsident Köhler hat in seiner mit Spannung erwarteten Rede im israelischen Parlament die Deutschen zum Kampf gegen Rechtsextremisten und Antisemiten aufgefordert. Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus seien nicht aus Deutschland verschwunden, sagte Köhler am Mittwoch. Zugleich bezeichnete er die Verantwortung für die Shoah als "Teil der deutschen Identität".

"Vergleiche, die die Shoa verharmlosen, sind ein Skandal, dem wir uns entgegenstellen", betonte der Bundespräsident in seiner auf Deutsch gehaltenen, aber mit hebräischen Sätzen eingeleiteten Rede. Dass Israel "in international anerkannten Grenzen und frei von Angst und Terror leben" könne, nannte Köhler eine "unumstößliche Maxime deutscher Politik". Es gebe einen Auftrag der Opfer der Shoah: "Nie wieder Völkermord zulassen".

40 Jahre nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik unterhalte Deutschland zu keinem anderen Land außerhalb Europas und Nordamerikas so enge Beziehungen wie zu Israel, betonte Köhler. Die Zukunftspartnerschaft zwischen beiden Ländern werde sich allerdings nur in einem friedlichen Umfeld vollständig entfalten können. Mit dem neuen Palästinenser-Präsidenten Abbas gebe es jetzt aber "ermutigende Entwicklungen" im israelisch- palästinensischen Verhältnis, fügte er hinzu.

Der israelische Parlamentspräsident Reuven Rivlin sprach sich für ein Verbot der deutschen Neonazi-Parteien aus, die den Holocaust leugneten oder verharmlosten. Rivlin begrüßte Köhler im Parlament als "wirklichen Freund und mutigen Mann".

Mehrere Parlamentarier blieben der Parlamentssitzung fern. Ultrarechte israelische Demonstranten verbrannten aus Protest gegen Köhlers Auftritt vor der Knesset eine deutsche Fahne.

(apa/red)

2.2.2005 16:20