Der Autor Robert Menasse hat ein Auftragsstück für das Burgtheater geschrieben, und das Ergebnis könnte in seiner Brisanz "Heldenplatz"-Dimension erreichen. NEWS berichtet in seiner aktuellen Ausgabe detailliert über die politische Satire, die offenbar an den Eregnissen der schwarz-blauen Regierungsbildung im Jahr 1999 Maß nimmt. Der richtige Regisseur scheint gleichfalls gefunden: Wie Menasse in NEWS erklärt, hat Bachler die Regie seinem Vorgänger Claus Peymann angeboten.
Das Stück mit dem Titel "Das Paradies der Ungeliebten" ist realsatirische Burleske, Königsdrama und Untergangsvision in einem. Es spielt in Dänemark - wo, so Menasse, bekanntlich etwas faul im Staate ist -, und die handelnden Personen tragen die Namen der dänischen Europameistermannschaft des Jahres 1992. Dennoch ist der österreichische Wiedererkennungswert beträchtlich.
Bundeskanzler Flemming "Lemming" Povlsen ist Sozialdemokrat, Prototyp für das ideologische Elend seiner Partei, Eheversager, Behüpfer seiner Sekretärin in deprimierenden Stundenhotels. Er wird von seinem Berater, den man "Spin doctor" nennen könnte, zur Witzfigur verzerrt.
Der amtierende konservative Vizekanzler heißt Claus Christiansen, verbündet sich mit einer Partei, die mit NS-Gedanken kokettiert, und wird Kanzler. Menasse: "Die Figur zeigt, was in einem Menschen vorgeht, der sich für seinen Lebenstraum mit dem Teufel verbündet, dabei aber noch immer das Schlupfloch sucht, ein christlicher Politiker zu bleiben. Das ist spannender als der konkrete Schüssel."
Christiansens Büroleiterin trägt den kärntnerisch anmutenden Namen "Piechnik". Die Dame, die mit dem Chef perverse Bet-Rituale in der Hündchenstellung pflegt, ist die Instanz seines Vertrauens.
Der rechtspopulistische Oppositionspolitiker Peter Schmeichel, Christiansens Koalitionspartner, ist ein Narziss und Menschenfänger, der seine Anhängerschaft mit den Auslesemethoden der SS rekrutiert. Ein linksgerichteter Redakteur, der gegen Schmeichels brutalen Wirtschaftsfachmann recherchiert hat, wurde von Unbekannt ins temporäre Koma mit bleibenden körperlichen Schäden geprügelt.
Der Journalist Brian Laudrup, Herausgeber einer vom Konkurs bedrohten linken Zeitschrift, will Schmeichel ermorden und beruft sich dabei auf die Charta der Vereinten Nationen, die eine bestimmte Qualität des politischen Attentats billigt. Das Motiv des politischen Mordes ziehe sich durch die gesamte Literaturgeschichte, sagt Menasse, und sei auch im gegenständlichen Fall als Theatertradition ausgewiesen. "Ich begreife nicht, wie man darin ein Problem erkennen kann, wenn man heute an die zwei Jahrtausende dauernde Geschichte dieses Stoffs anknüpft. Im Übrigen ist es ein Unterschied, ob ich zum Attentat aufrufe oder in einem Stück einen Menschen darstelle, der mit dem Gedanken spielt, man müsste einen politischen Mord begehen."
Der ehemalige Schauspieler Lars Olsen ist ein gekaufter Schmierist und ehemaliger Rocksänger, der so lang wider die Koalition mit Schmeichel deklamiert, bis der ihn verachtende Parteifreund Christiansen ihm das Amt des Kulturministers vor die Füße wirft. Zitate aus Interviews des amtierenden Kulturstaatssekretärs (und Subventionsausschütters über das Burgtheater) sind sogar in den Text collagiert. "Für mich", sagt Menasse, "ist Franz Morak vollkommen hinter der Figur dieses Stücks verschwunden. Ich bin nicht einmal sicher, ob er überhaupt noch existiert."
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