Dienstag, 1. Februar 2005

Blaue Rochade in Kärnten: Martin Strutz ist Haiders Landeshauptmannstellvertreter

  • "Reißwolf von Knittelfeld": Kurt Scheuch neuer Klubchef
  • Haupt übernimmt Dolinschek-Mandat im Parlament

Eine Reihe wichtiger Personalentscheidungen hat die Kärntner FPÖ angesichts des Rücktritts von LHStv. Karl Pfeifenberger getroffen: Zu dessen Nachfolger wurde am Dienstag Landesparteichef Martin Strutz (43) nominiert, die von diesem ebenfalls bekleidete Funktion des Klubobmannes im Landtag wird der bisherige Dritte Präsident Kurt Scheuch (37) übernehmen. Landeshauptmann Jög Haider wird künftig die Schlüsselressorts Finanzen und Wirtschaft sowie Tourismus innehaben, während Strutz für Personal, Schulen und Kultur verantwortlich zeichnen wird.

Nach einer Vorstandssitzung der Landespartei wurde weiters bekannt gegeben, dass der bisherige Sozialminister Herbert Haupt politisch aktiv bleibt: Er wird vom neuen Staatssekretär Sigisbert Dolinschek das Nationalratsmandat übernehmen. Dessen Vorstandsjob in der Kärntner Arbeiterkammer fällt an den Landtagsabgeordneten Harald Trettenbrein (47).

Erster Präsident des Landtages geht
Für eine Überraschung sorgte einer der ältesten Haider-Mitstreiter, der ehemalige Klubobmann, Landesrat und Landesparteichef Jörg Freunschlag (62). Er ließ den Landesparteivorstand wissen, dass er vor Ablauf der Legislaturperiode sein Amt als Erster Präsident des Landtages zurücklegen werde, das er seit 1999 innehat. Der Vorstand beschloss daraufhin einstimmig, dass künftig eine Frau diese Position wahrnehmen solle. Dem Vernehmen nach wird es die ehemalige Tourismusstaatssekretärin und derzeitige Nationalratsabgeordnete Mares Rossmann werden. Sie hatte bei der Landtagswahl im März 2004 nur knapp den Einzug in den Landtag verpasst.

Die Angelobung von Strutz zum Stellvertreter Haiders in der Landesregierung wird Mitte Februar in einer Sondersitzung des Landtages erfolgen. Zuvor wird Pfeifenberger noch die in den vergangenen Wochen heftig diskutierte Negativbilanz der Wörtherseebühne präsentieren.

Strutz gilt als einer der treuesten Weggefährten Haiders und nicht unbedingt als Freund des Bundeskoalitionspartners ÖVP. Der seit 14 Jahren amtierende Klubchef und seit November 2001 als Parteichef fungierende gebürtige Klagenfurter hatte 2003 als einziger freiheitlicher Landeschef nicht das Übereinkommen zur Neuauflage der schwarz-blauen Koalition unterschrieben.

Erwartungsgemäß unterschiedlich fielen die Reaktionen auf die freiheitliche Rochade aus. Während ÖVP-Chef Landesrat Josef Martinz dem künftigen Landeshauptmann-Stellvertreter Strutz indirekt eine Mitschuld an der Finanzlage des Landes bescheinigte und der Grüne Landessprecher Rolf Holub Bedenken wegen der "absoluten Machtkonzentration" in den Händen Haiders äußerte, bescheinigte Koalitionspartner LHStv. Peter Ambrozy (S) seinem künftigen Regierungskollegen Strutz "Handschlagsqualität". (apa/red)

1.2.2005 15:49