Freitag, 28. Jänner 2005

Jährlich werden 8.800 Ski gestohlen: Nur die wenigsten davon tauchen wieder auf

  • NEWS: Die Aufklärungsrate liegt nur bei 1,6 Prozent
  • PLUS: Tipps, wie Sie Ihre Ski am besten sichern

Neuseelands Damen-Ski-Nationalteam verbrachte letzten Mittwoch anstatt beim Training auf der Wurzeralm mit Papierkram am Gendarmerieposten Windischgarsten. Den Sportlerinnen ist nämlich genau das passiert, was heuer noch so manchem Winterurlauber dräut: Ihnen wurden die Ski aus dem Hotel gestohlen.

Allein in der vorigen Saison wechselten so landesweit 8.800 Paar Brettln den Besitzer.

Besonders betroffen sind die Tourismuszentren in Tirol und Salzburg. Die gestohlenen Bretter verzerren dort mittlerweile die Kriminalstatistik. So sind in Landeck die Hälfte der begangenen Vermögensdelikte Skidiebstähle. "Täglich kommen bis zu 15 Leute zu uns, denen die Ski gestohlen wurden", berichtet Revierinspektor Christian Kohler vom Gendarmerieposten in St. Anton. Er und seine Kollegen wissen zumeist schon bei der Anzeige, dass die Leute ihre Ski nie mehr wiedersehen.

Deutsche Diebe
Denn: Ganze 142 Fälle und damit nur 1,6 Prozent aller Diebstähle konnten in ganz Österreich im Vorjahr geklärt werden. Von den 134 ausgeforschten Tätern waren 63 Deutsche und 33 Österreicher. "Nachdem bei uns hauptsächlich Deutsche urlauben, ist klar, dass da schwarze Schafe darunter sind", erklärt sich Martin Unterrainer, Postenchef in Ischgl, die langen Finger germanischer Nachbarn.

In der Tat schafft Gelegenheit Diebe. Vor den Hütten werden Hunderte Ski unachtsam in den Schnee gesteckt. Während drinnen die Post abgeht, gehen draußen die Diebe ans Werk. "Oft ist es aber auch so, dass betrunkene Gäste die eigenen Ski nicht mehr erkennen und sich irgendwelche anschnallen, um ins Tal zu kommen", schildert Unterrainer. Am nächsten Tag trudeln dann die Diebstahlsanzeigen ein. Johann Schöpf, Kriminalreferent in Schwaz, schätzt, dass bis zur Hälfte der vermeintlichen Diebstähle so zustande kommen.

Profibanden aus Osteuropa
Doch auch Profibanden aus Osteuropa werden zunehmend zum Problem. Schöpf nimmt an, dass sie für 15 Prozent der Diebstähle sorgen. Gemeinsam mit Kollegen hat er sich nächtelang auf die Lauer gelegt, um deren Treiben zu beobachten. "Die räumen die Skikeller der Hotels aus, bunkern die Ski in Kombis und fahren in der Nacht davon." Mit Kontrollen an den Talausfahrten will man ihrer Herr werden. Oft entpuppt sich ein vermeintlicher Diebstahl aber auch als plumper Versicherungsbetrug. "Leute sehen ihre zerkratzten Ski und sagen sich, da kassier ich die Versicherungssumme", so Schöpf, "sobald wir intensiver ermitteln, behaupten viele, die Ski seien wieder aufgetaucht."

Big Brother auf der Alm
Neben Prävention und Patrouillen in Zivil soll nun auch die Technik helfen. Immer mehr Hotels statten ihre Skikeller mit Kameras aus. Auch manche Hütten überwachen die "Ski-Parkplätze" mittlerweile elektronisch. Serienmäßig eingebaute Ski-Chips der Salzburger Firma Skidata (s. Kasten) sind der letzte Schrei. Derzeit sind erst die Atomic-Luxusmodelle Volant damit ausgestattet. Ab der nächsten Saison gehen die Chips in Serie, schon in drei Jahren sollen sie 80 Prozent der Ski sichern. (NEWS: Nummer 4/2005)

28.1.2005 09:12