FORMAT: Kika/Leiner-Chef Herbert Koch baut in Wien Europas größtes Möbelhaus
- Megastore entsteht im Leiner-Haus, Mariahilfer Straße
- Nach kargen Jahren lebt die Branche wieder auf
·2005 klopfen Möbel- händler auf Holz!
FORMAT: Sofas, Betten & Tische sind wieder gefragt
·Die Polsterschlacht der Möbelgiganten
Mömax vs Ikea: Der knallharte Preiskampf
Von wegen Stadtflucht. Kika/Leiner-Chef Herbert Koch konterkariert mit einem Paukenschlag in der Expansionsstrategie von Österreichs größtem Möbelhändler den Trend zur Ansiedlung von Shoppingmalls auf der grünen Wiese: Statt im Niemandsland der Peripherie errichtet er jetzt mitten in Wien, im Leiner-Haus in der Mariahilfer Straße, den spektakulären Flagshipstore der Gruppe: 30.000 Quadratmeter groß und sieben Stockwerke hoch, wird der Megastore über zwei Panoramalifte, ein Restaurant mit 220 Sitzplätzen und eine Tiefgarage für 330 Autos verfügen. "Es wird das größte innerstädtische Möbelgeschäft Europas", frohlockt der zuständige Kika/Leiner-Vorstand Ewald Repnik....
Der Zeitpunkt für das Großprojekt mit dreißig Millionen Euro Bauinvestition ist gut gewählt. Denn nach den kargen Jahren der Konsumflaute, mit 1,7 Prozent nominellem Branchenumsatzminus etwa im Jahr 2003, liegen die Möbelhändler jetzt wieder im Aufwind: Laut einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstitutes market wollen die Österreicher 2005 vor allem in den Bereichen Gesundheit/Wohlbefinden/Sport und Wohnen wieder mehr Geld ausgeben.
Expansionpotential ausgeschöpft
Gleichzeitig entschärft sich der in den vergangenen Jahren brutal geführte Konkurrenzkampf zwischen den Platzhirschen Kika/Leiner, Möbel Lutz und Ikea: Nach der Einweihung des neuen Wohn-Eldorados in der Mariahilfer Straße stehen nur noch einzelne Neueröffnungen wie die einer Lutz-Filiale im 22. Bezirk kommendes Frühjahr an. Dann erreicht die schon jetzt klar über dem internationalen Schnitt liegende Standortdichte der österreichischen Möbelhändler endgültig ihr Limit. "In Österreich ist das Expansionspotenzial weit gehend ausgeschöpft", analysieren Leiner-Manager Repnik und Jörg Schelling, Chef des Kika/Leiner-Hauptkonkurrenten Möbel Lutz. "Wir konzentrieren uns jetzt auf das Ausland."
Mariahilfer Straße als Rekord-Möbelshop
Die Immobilie Mariahilfer Straße, Ecke Karl-Schweighofer-Gasse, die Kika/Leiner-Chef Koch nach dem Zukauf angrenzender Gebäude nun zum Rekord-Möbelshop aufmotzt, hat der St. Pöltner Möbelhändler Rudolf Leiner bereits 1964 erworben. Kika/ Leiner, inzwischen mit 33 Standorten (17 in Österreich) und 7.200 Mitarbeitern satte 1,7 Milliarden Euro Jahresumsatz schwer, will dort laut Vorstand Ewald Repnik "alle Register des modernen Möbelhandels ziehen":
Produktpalette
Die Produktpalette reicht vom Wasserglas um einen Euro bis zu kostspieligen Marken- und Designermöbeln von Herstellern wie Stressless, Natuzzi, Maximilian, Selva, Anrei oder Knoll. Trends wie das derzeit aktuelle mediterrane Wohnen oder der Dauerbrenner Ökomöbel werden mit eigenen Abteilungen besetzt.
Passend für das besonders kaufkräftige städtische Publikum bietet der Möbeltempel einen Schwerpunkt für Maßanfertigungen. Damit sich die Kundschaft beim Shoppen entspannen kann, wird das Interieur teils streng nach Feng Shui angeordnet - und für alle Fälle sind im Dachrestaurant mit Fernblick die Pommes frites für die Kids gratis.
2003 knappes Umsatzplus
Gegen den Branchentrend hatte Kika/Leiner auch 2003 noch ein knappes Prozent Umsatzplus geschafft. Heuer darf sich Koch nicht bloß wegen der aufgemöbelten Einkaufsdestination in bester Stadtlage deutlichere Zuwächse erhoffen.
Trotzdem richtet sich die Aufmerksamkeit von Kika/ Leiner-Chef Koch und Möbel-Lutz-Chef Schelling nun von Wien ins Ausland. Kika/ Leiner eröffnet heuer unter anderem Möbelhäuser in Tschechien, in der Slowakei und in Kroatien. Kleinlich zeigt sich der österreichische Marktführer auch jenseits der Grenzen nicht: Bereits 2003 hat Kika/Leiner in Budaör das größte Einrichtungshaus Ungarns eröffnet.´
(Aus FORMAT4/2005)
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