Montag, 31. Jänner 2005

Skandal um Guide Michelin geht weiter: Jetzt meldet sich auch der Starkoch zu Wort

  • Pierre Wynants nur Berater im umstrittenen "Ostend"
  • Guide Michelin Benelux wurde bereits zurückgezogen

Im Skandal um die Michelin-Benotung eines noch nicht eröffneten Restaurants hat sich der Brüsseler Starkoch und Gastronom Pierre Wynants verteidigt. Er habe zwar bei einem Besuch bei Michelin im April 2004 sein Engagement bei dem umstrittenen Lokal "Ostend Queen" im Nordseebad Ostende erwähnt, sagte Wynants der Brüsseler Tageszeitung "Le Soir". Er habe aber nichts von der Redaktion gefordert, meinte der Besitzer des Brüsseler Drei-Sterne-Tempels "Comme Chez Soi".

Michelin hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass die 50.000 Exemplare des Benelux-Führers 2005 vom Markt genommen werden, nachdem die verfrühte Bewertung des Ostender Lokals bekannt geworden war. Es wird mit zwei Bestecken und einen so genannten Bib Gourmand (für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis) aufgeführt und positiv benotet. Nach einem früheren Bericht des "Soir" wurde das Restaurant von Vertretern des Michelin-Führers am 1. November besucht, als es noch eine Baustelle war.

Schuldfrage
Wynants fügte hinzu, es sei der damalige Redaktionsdirektor des Michelin-Führers Benelux gewesen, der bereits einen künftigen Stern für das neue Lokal funkeln sah. "Ich habe ihm direkt gesagt, dass dies nicht mein Ziel ist", sagte Wynants, einer der bekanntesten Köche Belgiens, in dessen Restaurant in der Brüsseler Innenstadt schon Staatsoberhäupter und Regierungschefs am Tisch saßen.

"Bloß Berater im Ostende"
Die Michelin-Verantwortlichen hätten danach davon gesprochen, dem Lokal einen Bib Gourmand zuzusprechen. Wynants stellte klar, er sei kein Teilhaber, sondern Berater in Ostende. Er habe persönlich die Karte erstellt und alle Gerichte im "Comme Chez Soi" ausprobiert. Wynants kündigte an, künftig jeden Freitag und Samstag in Ostende am Herd zu stehen.(apa/red)

31.1.2005 15:31