Mittwoch, 26. Jänner 2005

WOMAN: Saugen oder schmelzen? Auf welche Art Experten Fettdepots behandeln

  • Spritze oder Saug-Kanüle: Welche Methode ist besser?
  • Wird die Fett-weg-Spritze so erfolgreich wie Botox?

Zehntausende Österreicherinnen legen sich jedes Jahr für diesen Traum "unter die Kanüle". Aber auch wenn die Ergebnisse der Fettabsaugung überwiegend erfolgreich sind, bleibt doch das Restrisiko von Narkose und Operation. Und ganz billig ist es auch nicht. Kein Wunder, dass vor einigen Monaten eine neue "Fett-weg-Spritze" Schlagzeilen machte. Überflüssiges Fett einfach auflösen - und das ganz ohne chirurgischen Eingriff. Aber geht das wirklich so einfach? WOMAN sah sich die Methoden an...

Vorweg gleich der grundlegende Unterschied der beiden Methoden: Mit der Fett-weg-Spritze (ein Wirkstoff aus der Sojabohne) können nur sehr kleine Areale behandelt werden und nicht wie bei der Fettabsaugung ganze Körperregionen. Da sind sich alle Ärzte einig. Mit der Injektionslipolyse kann man Fettansammlungen wie Doppelkinn oder Winz-Bäuchlein zu Leibe rücken, während man mit der Kanüle doch zwischen drei und sechs Liter Fett, je nach Methode, absaugen kann. Deshalb ist Dermatologin Hajnal Kiprov, die mit beiden Methoden Erfahrungen gesammelt hat, auch sicher: "Die Injektionslipolyse wird die Fettabsaugung nicht verdrängen, sondern ergänzen." So wirkt sie angeblich auch bei Cellulite, gegen die man mit Fettabsaugen nicht viel ausrichten kann. So harmlos wie oft angepriesen ist die kleine Injektion, die Fettzellen zum Platzen bringt und über den Stoffwechsel ausscheiden lässt, allerdings auch nicht. Fachärztin Doris Grablowitz, eine begeisterte Anwenderin der "Spritze", muss vor allzu lässigem Gebrauch warnen: "Das Mittel darf auf gar keinen Fall zu tief - in Nerven oder Muskeln - eingespritzt werden. Es könnte zu gefährlichen Reaktionen kommen!" Nur wenn die Spritze von geübter Hand verabreicht und die richtige Mixtur verwendet wird, seien kritische Nebenwirkungen ausgeschlossen.

Riskante, neue Technik
Anderen Ärzten ist die neue Technik der Figurformung überhaupt noch zu riskant. So etwa ist der Salzburger plastische Chirurg Walther Jungwirth kein Freund der "Spritze". "Die Fettabsaugung sehe ich als nachvollziehbare Methode", plädiert er für den größeren Eingriff, "wird sie von den richtigen Händen ausgeführt, ist sie sehr sicher. Die Wirkung der Fett-weg-Spritze hingegen ist mir viel zu wenig erforscht."

Große Zukunft
Franz Hasengschwandtner wiederum, Präsident der Gesellschaft für Injektionslipolyse, meint: "Der Fett-weg-Spritze wird eine noch größere Zukunft als Botox vorhergesagt. Ich habe mittlerweile 2.700 Patienten erfolgreich behandelt." Heikel soll die Fetteinschmelzung im Bereich der Augen sein. Plastische Chirurgen wie Johann Umschaden und Dagmar Millesi glauben, "dass die Anwendung bei Tränensäcken durch die Nähe der Fettpolster zu Sehnerv und zu Augenmuskeln nicht ungefährlich ist", und lehnen diese Indikation der Fett-weg-Spritze ab. "Unsinn", kontert Grablowitz. "Es gibt weltweit gute Ergebnisse!"

Spritzen als Ergänzung
Erstaunliche Erfolge mit der "Wunder"-Spritze will die erfahrene Anwenderin Eva Wegrostek in ihrem Ordinationsalltag verzeichnet haben. Allerdings wird jeder Patient zuvor auf Allergien, Stoffwechselerkrankungen und Schilddrüsenunterfunktion abgecheckt. Dafür verschwinden, wie die Ärztin jubelt, "dann kleine Fettansammlungen an Bauch und Rücken sowie die gefürchteten Hamsterbacken oft schon nach zwei Sitzungen". Aber auch sie räumt ein, dass diese unblutige Methode aus erwähnten Gründen kein billiger Ersatz für die Fettabsaugung sein kann.
(Mehr zum strittigen Thema in WOMAN 2/2005)


26.1.2005 09:48