Sonntag, 30. Jänner 2005

Wintereinbruch & Hartz IV: Erstmals mehr als fünf Millionen Deutsche ohne Arbeit

  • 200.000 Sozialhilfeempfänger in Statistik aufgenommen
  • Clement: "Ganze Wahrheit über deutschen Arbeitsmarkt"

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland hat erstmals die Schallgrenze von fünf Millionen überschritten. Die sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement der "Bild am Sonntag". Verantwortlich für den historischen Höchststand sind nach den Worten des SPD-Politikers einerseits der übliche saisonal bedingte Anstieg und andererseits die Arbeitsmarktreform Hartz IV.

Durch die Reform bekommen nun bisherige Sozialhilfeempfänger, die nicht bei bei der Arbeitsagentur erfasst waren, Arbeitslosengeld II. Dadurch kämen nun "mehr als 200.000 Arbeitslose hinzu, die bisher in der Sozialhilfe waren, ohne bei der Arbeitsagentur gemeldet zu sein", sagte Clement.

"Zu Beginn des Jahres gehen die Arbeitsmarktzahlen wegen der Wintertemperaturen leider immer nach oben, meistens um rund 350.000. Das wird in diesem Jahr gewiss wieder so sein. Das heißt: Wir werden uns bei 4,8 Millionen Arbeitslosen bewegen", erklärte Clement weiter.

Auf die Frage, ob damit die Zahl der Arbeitslosen tatsächlich über fünf Millionen liege, sagte der SPD-Politiker der "Bild am Sonntag": "Sie haben Recht, jetzt kommt die ganze Wahrheit über den deutschen Arbeitsmarkt ans Licht, die Zeit der Dunkelziffern vom Arbeitsmarkt ist vorbei."

Die präzise Zahl der Erwerbslosen könne er zwar nicht nennen, da sie erst am Mittwoch von der Bundesagentur für Arbeit bekannt gegeben werde. "Aber alle werden mitgezählt und dafür kommen jetzt auch alle Arbeitslosen in eine intensivere persönliche Betreuung und Vermittlung in unseren neuen Job-Centern", sagte der Minister. "Ich bin zuversichtlich, dass wir sodann die Arbeitslosigkeit Schritt für Schritt nach unten drücken können." (apa)

30.1.2005 15:35