Freitag, 28. Jänner 2005

FORMAT: Macht dieser Mann Bahn fit? - Neuer ÖBB-Chef ist seit 100 Tagen im Amt

  • Martin Huber bestätigt bisher die Vorschusslorbeeren
  • Lesen Sie, was in den nächsten fünf Jahren noch wartet

Bei der Kitz Race Party anlässlich der Hahnenkamm-Skirennen am vergangenen Wochenende schwang Martin Huber zu rockigen Rhythmen ausgiebig das Tanzbein. Die Mitarbeiter der ÖBB-Zentrale wären wohl verwundert gewesen, hätten sie den neuen Chef in Partylaune gesehen. Ansonsten tritt der Bahngeneral zumeist ernst und eher unterkühlt auf. Zudem gilt die Liebe des Opernfans der klassischen Musik: "Als mir meine Frau vor zwei Jahren meine alte Geige restaurieren ließ, habe ich wieder mit dem Violinspiel begonnen; ich habe halt viel zu wenig Zeit."

Bald hundert Tage spielt Martin Huber, 44, jetzt die erste Geige bei den ÖBB. Partys gibt es dort keine zu feiern. Der Job ist knochenhart. Aber der Exvorstand des Baukonzerns Porr macht nicht den Eindruck, als ließe er sich davon aus der Fassung bringen. Dazu braucht es eine robuste Natur. Denn Entgleisungen bei der ÖBB-Umstrukturierung und der Reduzierung der vier Milliarden Euro Staatszuschuss pro Jahr (inkl. Pensionszahlungen) sind absehbar: Huber hat in der neuen ÖBB-Holding keine Durchgriffsrechte auf die operativen Gesellschaften wie Personen- oder Güterverkehr; er steht beim Personalabbau vor schwer lösbaren Problemen; gleichzeitig verliert die Bahn laufend Marktanteile.

Huber bekennender ÖVP-Parteigänger
Zum Start hat sich der ÖVP-Mann - schon 1974 Eintritt in die Junge ÖVP - wacker geschlagen. Er baute erfolgreich das Image auf, kein Büttel der Politik zu sein. Zum Missfallen von Infrastrukturminister Hubert Gorbach und Finanzminister Karl-Heinz Grasser schickte Huber 577 Eisenbahner in Frühpension. Gorbach: "Ich bin etwas verärgert, weil keine Informationen flossen." Auf Druck von Huber musste der entscheidungsschwache Vorgänger Rüdiger vorm Walde die ÖBB mit 1,2 Millionen Euro Ablöse verlassen, was in der Regierung ebenfalls keinen Jubel auslöste. Als dessen Nachfolgerin im Personenverkehrsvorstand setzte Huber SPÖ-Mitglied Wilhelmine Goldmann durch, was seinem Standing im Unternehmen hilft, aber nicht unbedingt in der eigenen Partei. "Ich bin der Prellbock zwischen Politik und Bahn", sagt der General dazu lakonisch.

Wenig überraschend lobt Goldmann ihren Oberboss, "weil bei ihm Parteipolitik in der Wirtschaft nichts verloren hat". Infrastruktur-Staatssekretär Helmut Kukacka (ÖVP) erkennt "seine unbestrittene Führungskraft" an. Aber auch SPÖ-Verkehrssprecher Kurt Eder zollt Huber Respekt, "dass er seine Manageraufgaben wahrnimmt". Ein ÖBB-Mann, der dem Newcomer durchaus kritisch gegenübersteht, meint: "Huber hat Machtbewusstsein und demonstriert das auch." Nachsatz: "Aber in diesem System ist das notwendig." Sogar der ansonsten streitbare Bahngewerkschaftsboss Wilhelm Haberzettl attestiert "Handschlagsqualität".

Viele Vorschusslorbeeren, die es erst zu bestätigen gilt. Martin Huber steht noch ganz am Anfang des Himmelfahrtskommandos, das die ÖBB-Sanierung zweifellos ist. Vor allem muss er jetzt die Führungscrew auf Linie bringen. "Staatssekretär Kukacka hat mir selbst gesagt, dass die Regierung damals wegen der Person vorm Waldes die Holding schwach gemacht hat", erzählt Verkehrssprecher Eder (SP): "Das fällt jetzt Huber auf den Kopf." Auch ein ÖBB-Aufsichtsratsmitglied befürchtet "Konflikte zwischen Holding und den Vorständen der vier Aktiengesellschaften. Die werden sich die ihnen gegebene Macht nicht nehmen lassen." Neben Personen- und Güterverkehr hängen unter der Holding noch Infrastruktur Betrieb und Infrastruktur Bau als selbständige AGs - steuerbar nur über den Aufsichtsrat. "Wir brauchen eh keinen Generaldirektor, der überall mitredet", kommentiert Minister Gorbach.

Wie Huber das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigen und die Bahn fit machen will, lesen Sie im aktuellen FORMAT!

28.1.2005 12:00