Bemühungen um Rettung: Walter Bau bereitet Einstieg von Strabag vor!
- Neue Gruppe mit Strabag wäre Nr. Zwei in Deutschland
- Medienberichte: Ignaz Walter erklärte sofortigen Rücktritt
Im Zuge der Bemühungen um die Rettung des Augsburger Baukonzerns Walter Bau laufen nach Angaben aus Finanzkreisen erste Vorbereitungen für ein Zusammengehen mit dem österreichischen Konkurrenten Strabag. Firmengründer und Großaktionär Ignaz Walter werde einen Teil der von ihm kontrollierten Anteile an einen Treuhänder abgeben, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Montag aus den Kreisen.
Über den Treuhänder sollten dann Anteile an die Kölner Strabag weitergereicht werden, die mehrheitlich zur österreichischen Bauholding Strabag gehört. Der frühere Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz soll den Kreisen zufolge Walter als Aufsichtsratschef ablösen, der am Montag seinen sofortigen Rücktritt erklärte. Fahrholz habe die Verfügungsgewalt über die Anteile. Nach einem Zeitungsbericht ist allerdings auch der frühere MAN-Chef Rudolf Rupprecht für den Posten im Gespräch.
Unterdessen ist die Vereinbarung einer Brückenfinanzierung für Walter Bau nach Angaben aus den Kreisen immer noch offen. Die Sicherung der kurzfristigen Liquiditätsspritze ist neben der Verlängerung des Bürgschaftsrahmens die Voraussetzung für alle Zukunftsoptionen für Walter Bau. Eine Stellungnahme von Walter Bau zu den Angaben war nicht zu erhalten. Strabag hatte bereits mehrfach einen Kommentar zu den Fusionsüberlegungen abgelehnt.
Der 68-jährige Firmengründer Walter vollzog am Montag nach Angaben des Unternehmens den angekündigten Rücktritt als Chef des Aufsichtsrats. Dies hatten Banken zur Voraussetzung für ihr Festhalten an Walter Bau gemacht. Ignaz Walter hatte zugesagt, dass seine Familie ihre 57-Prozent-Anteile an Walter Bau als Sicherheit in das Finanzierungskonzept einbringen werde.
Nach Angaben aus Finanzkreisen soll Fahrholz, dessen Anwaltskanzlei Walter Bau berät, neuer Aufsichtsratschef werden. "Das ist aber nur eine Interimslösung, bis Strabag die Führung der neuen Gruppe übernimmt", hieß es. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Dienstag-Ausgabe) favorisieren einige Gläubigerbanken jedoch den ehemaligen MAN-Chef Rupprecht, der schon im Walter-Bau-Aufsichtsrat sitzt. Er kenne den Konzern besser als Fahrholz.
Bei einer Zusammenführung von Walter Bau mit der deutschen Strabag würde auf Basis der Umsätze von 2003 eine Baugruppe mit knapp 6,5 Milliarden Euro Bauleistung und 20.000 Beschäftigten entstehen. Die neue Gruppe wäre hinter Hochtief Nummer zwei der deutschen Baubranche. Würde Züblin einbezogen, hätte die neue Gruppe eine Bauleistung von mehr als 7,5 Milliarden Euro.
Trotz langer Verhandlungen stand bis Montag eine Einigung der Banken auf eine Brückenfinanzierung für das angeschlagene Bauunternehmen aus. Im Kern geht es um etwa 150 Millionen Euro, die Walter Bau aus dem Verkauf von Bereichen erzielen will und die Finanziers im Vorraus zur Verfügung stellen sollen. Nachdem eine Lösung mit Spezialfinanzierern oder eine Beteiligung etwa der KfW nicht zu Stande gekommen sei, werde nun verhandelt, ob die Gläubigerbanken von Walter Bau oder nur die Kernbanken unter Führung der Deutschen Bank die Summe stemmten, hieß es in den Kreisen.
Die Zwischenfinanzierung ist notwendig, weil eine Fusion mit Strabag frühestens im Sommer möglich wäre. Daher muss Walter Bau zunächst so aufgestellt werden, dass das Unternehmen auch allein überleben könne.
An der Münchner Börse verlor die Walter-Bau-Aktie, deren Kurs nach den Berichten über den angestrebten Zusammenschluss mit Strabag kräftig angezogen hatte, am Montag 0,4 Prozent auf knapp 2,40 Euro. (apa/red)
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