Freitag, 4. Februar 2005

Prognosen des neuen Wifo-Chef Aiginger: Nulldefizit erst 2008, Arbeitslosigkeit sinkt

  • Aber nur mit besonderer Anstrengung durch Grasser
  • Aiginger begrüßt Revision der Lissabon-Strategie der EU

Der neue Wifo-Chef Aiginger erwartet erst 2008 ein neues Nulldefizit. Und das auch nur mit besonderen Anstrengungen durch Finanzminister Grasser. Vor allem müsse das Wirtschaftswachstum erhöht und bei den Staatsaufgaben gespart werden, fordert Aiginger.

Als wirtschaftspolitische Leitlinie sollte in Österreich daher ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent im Jahr festgelegt werden. Nur mit einem Wachstum ab 2,5 bis 3 Prozent könne auch die Arbeitslosigkeit gesenkt werden. Für 2005 und 2006 hat das Wifo zuletzt im Dezember ein reales BIP-Plus von 2,2 bzw. 2,3 Prozent prognostiziert. 2004 dürfte die heimische Wirtschaft rund 1,9 Prozent gewachsen sein.

Arbeitslosigkeit wird sinken
Bei der Arbeitslosigkeit in Österreich ist laut Aiginger der Höhepunkt jetzt überschritten, dennoch dürfte der Rückgang nur schwach ausfallen. Wesentliche Faktoren im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit seien mehr Wachstum sowie Verbesserungen bei der Qualifikation der Arbeitnehmer und beim Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt.

Im internationalen Durchschnitt sei die österreichische Arbeitslosenrate allerdings eine der niedrigsten. Erkauft sei dies aber durch eine hohe Zahl von Frühpensionierungen, so Aiginger. Dass eine Pensionsreform zu Stande gekommen sei, sei daher ein Erfolg und werde auch international anerkannt.

Aiginger lobt EU-Strategie
Aiginger begrüßt, dass die EU-Kommission die Lissabon-Strategie einer Revision unterzieht und dabei die Ziele Wirtschaftswachstum und Beschäftigung noch stärker ins Zentrum rückt. Vor allem müsse Europa den Wachstumsrückstand zu den USA verringern, sagte Aiginger im APA-Interview. Bisher habe die EU Wirtschaftsfragen einen zu geringen Stellenwert beigemessen.

EU-Gipfel seien meist von politischen Themen dominiert, allenfalls gehe es noch um den Stabilitätspakt. Der jüngste Vorstoß Brüssels zur Lissabon-Agenda zeige, dass man die Ziele nun verbindlicher machen wolle. Dass in den ersten fünf Jahren des Prozesses nicht viel erreicht wurde, liege auch daran, dass es hier keine Sanktionen gebe.
(apa)

4.2.2005 13:12