Sonntag, 30. Jänner 2005

Allrounder haben bessere Karten: Miller und Raich auf den Spuren von Lasse Kjus

  • US-Boy will WM-Weltrekord des Norwegers angreifen
  • Kjus holte bei WM 1999 in Vail fünf Mal Edelmetall

Bode Miller (Gold) und Benjamin Raich (Bronze), die aktuellen Top-Allrounder der Ski-Welt, haben gleich zum Auftakt im Super G gezeigt, dass sie das Zeug haben, die Superstars der WM zu werden. Miller nennt die Dinge sogar beim Namen: Der US-Amerikaner hat den Weltrekord von Lasse Kjus - fünf Medaillen bei der WM 1999 in Vail - im Visier. Auf Grund des neu eingeführten Teambewerbs, der 2005 als sechster Bewerb Premiere feiert, hat Miller sogar die Chance, die historische Marke des Norwegers zu überflügeln.

"Ich würde liebend gerne in allen Disziplinen eine Medaille gewinnen. Wenn ich weiterhin gut Ski fahre und ins Ziel komme, dann stehen die Chancen darauf gar nicht schlecht", sieht Miller die Möglichkeit, Italien mit sechs Medaillen zu verlassen. Kjus hatte 1999 in Vail mit Gold in Riesentorlauf und Super G sowie Silber in Kombination, Abfahrt und Slalom eine fantastische Serie hingelegt.

Sein wilder Stil, der in der laufenden Saison zu Serienausfällen im Slalom geführt hat, könnte dem Gesamt-Weltcup-Leader dabei allerdings im Wege stehen. "Ich werde in jedem Rennen hart und aggressiv fahren - logisch, dass dabei Fehler passieren", so Miller.

Miller: "Medaille am Klo verloren"
Angesichts der hohen Ziele ist auch die erste Gold-Feier des 27-Jährigen im USA-Haus "offiziell" bereits um Mitternacht zu Ende gegangen. Die WM-Trophäe stand dabei zumeist von Miller unbeachtet in einer Ecke, die Foto-Sessions dutzender Gäste mit der Trophäe ließ Miller ebenfalls kalt. Nur die Medaille hatte Miller bereits im Hotel abgelegt. Denn der mittlerweile dreifache Weltmeister gestand auch ein, dass er eine seiner zwei in St. Moritz gewonnen Goldmedaillen bereits verloren hat. "Ich hatte sie auf der Toilette hängen, jetzt weiß ich nicht mehr, wo sie ist."

Raich bleibt trotz Erwartungsdruck cool
Raich zerbricht sich über den Kjus-Rekord offiziell nicht den Kopf: "Das ist für die Medien interessant, das sind Spielereien. Sicher ist es ein Ziel, aber das ist nicht in meinem Kopf drinnen. Ich werde einfach in jedem Rennen alles geben, was ich drauf habe. Wenn man aber vorher von so etwas träumt, dann kriegt man es sicher nicht."

Die Bronzene im Super G hat für Raich zwar einen "besonderen Stellenwert", eine persönliche Reihung seiner Trophäen will der Tiroler aber so wie Miller nicht vornehmen. Überrascht war der Pitztaler nur bedingt: "Wenn man sich meine Super-G-Leistungen der vergangenen beiden Jahren anschaut, dann sieht man, dass ich sehr konstant in den Top-10 vertreten war."
(apa/red)

30.1.2005 20:22