Freitag, 28. Jänner 2005

"Für Gold brauchst du ein wenig Glück": Götschl auf dem Weg zur Königin der WM?

  • Interview: Steirerin über ihre Favoritenrolle & Nervosität
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Speed-Queen Renate Götschl ist hungrig auf Gold: Sechs Jahre nach ihrem Abfahrts-Weltmeistertitel von Vail will's die 29-jährige Steirerin aus Obdach noch einmal wissen. Spätestens seit ihrem Cortina-Triple, als sie hintereinander zwei Super-Gs und eine Abfahrt gewonnen hat, ist sie die ganz große Favoritin für die Speed-Bewerbe auf der "Pista Deborah Compagnoni", benannt nach der italienischen Ski-Heldin, die aus dem WM-Ort Santa Caterina stammt.

news: Kommt bei Ihnen vor Ihrer 6. Weltmeisterschaft noch so etwas wie Nervosität auf?

Götschl: Ich fahre heute sicher mit einem ganz anderen Gefühl zur WM als vor meiner allerersten Teilnahme. Ich kenne mittlerweile den ganzen Ablauf bei einem solchen Ereignis, hab mir so etwas wie eine gewisse Routine erarbeitet. Trotzdem bleiben Weltmeisterschaften immer etwas ganz Spezielles, auf das ich mich jedes Mal aufs Neue freue.

news: Wie hoch legen Sie sich die Erfolgslatte?

Götschl: Eine Medaille wäre schon was Schönes, egal in welcher Farbe. Denn vor zwei Jahren bin ich ja völlig leer ausgegangen. Ich weiß also, was bei einem solchen Ereignis alles schief gehen kann. Daher betreibe ich keine Tiefstapelei, wenn ich sage, dass ich mit einer WM-Medaille schon zufrieden wäre. Denn um Gold zu gewinnen, muss an diesem Tag einfach alles zusammenpassen, oft auch Dinge wie das Wetter, auf das du ja keinerlei Einfluss hast.

news: Klingt für eine zweifache Weltmeisterin nach bewusstem Understatement.

Götschl: Hätte ich vor zwei Jahren einen Weltmeistertitel geholt, dann wären meine Ansprüche heute natürlich höher. Ich weiß, wie man sich als Weltmeisterin fühlt, ich weiß auch, wie's ist, wenn man einmal leer ausgeht.

news: Heuer haben Sie lange auf den ersten Weltcupsieg warten müssen und dann gleich dreimal hintereinander zugeschlagen. Wie funktioniert so etwas?

Götschl: Ich hab vom Beginn der Saison weg gespürt, dass ich in diesem Winter wieder sehr schnell sein kann. Mehrmals war ich knapp dran, dann hat immer irgendeine Kleinigkeit nicht gepasst. Entweder hab ich unnötige Fehler gemacht, oder der Wind hat mich verblasen. Außerdem war mein Rücken zu Beginn der Saison noch etwas angeschlagen. Solche Situationen hab ich während meiner Karriere allerdings schon öfter durchgemacht. Man darf nur nicht ungeduldig werden, dann klappt's schon wieder.

28.1.2005 15:50