Freitag, 28. Jänner 2005

"Herminator" rechtzeitig wieder in Top-Form: "In Bormio ist für mich viel möglich"

  • Maier über seinen Angriff und den Erwartungsdruck
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Rechtzeitig vor der WM ist Hermann Maier auf die Siegerstraße zurückgekehrt. Mit dem Sieg in Kitzbühel steigen automatisch die Erwartungen der Fans und auch der Öffentlichkeit für Bormio. Plötzlich ist sogar von drei Goldmedaillen die Rede, die Maier in Italien abstauben könnte. Das weiß Maier selbst am besten, auch wenn er versucht, dieses Thema bewusst runterzuspielen. Zweifellos ist seine bisherige Bilanz bei Weltmeisterschaften mehr als beeindruckend: In acht WM-Rennen holte er zweimal Gold (Super-G, Abfahrt), zweimal Silber (Abfahrt, Super-G) und einmal Bronze (Super-G). Das macht in Summe fünf Medaillen - nur dreimal blieb er ohne Erfolg. Vor allem seine Super-G-Ausbeute bei Großveranstaltungen lässt für den WM-Auftakt am Samstag hoffen.

news: Das Timing hätte nicht besser sein können. Ihr Sieg im Super-G von Kitzbühel kam rechtzeitig vor dem WM-Start. Wie gut sind Sie jetzt wirklich drauf?

Maier: Dieser Erfolg war längst fällig. Ich hab schon in der Früh beim Aufstehen gewusst, das wird mein Tag. Ich hab mir das Rennen sehr gut eingeteilt. Mit Einsatz und Hirn. Ich bin sicherlich in einer körperlich besseren Verfassung als im Vorjahr. Mir fehlt nur noch das Gefühl, wieder leicht zu siegen. Dafür hatte ich noch zu wenige Erfolgserlebnisse in diesem Winter. Wenn das kommt, dann laufen meine Ski wieder von selber. Ich war lange auf der Suche nach dem richtig guten Schwung.

news: In Bormio geht's gleich mit Ihrer Lieblingsdisziplin los. Was erwarten Sie sich vom Super-G?

Maier: Mein Ziel ist es, ganz vorne mitzumischen. Wenn es so weitergeht wie jetzt, dann ist sehr viel möglich. Bei Großereignissen gehöre ich immer zu den Favoriten. In Bormio vor fünf Jahren bin ich meinen besten Super-G gefahren. Das werde ich nie vergessen. Damals hab ich mit fast zwei Sekunden Vorsprung gewonnen, und alle haben gerätselt, wie so etwas überhaupt möglich ist. Aber in Bormio bin ich eigentlich immer gut gefahren, das ist eine meiner Lieblingsstrecken, da hab ich schon einiges gewonnen.

news: Die Öffentlichkeit erwartet sich von einem Hermann Maier eine Goldmedaille. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Maier: Ich spür diesen Druck überhaupt nicht. Das war vielleicht früher einmal so. Ich meine, ich hab schon so viel erreicht und fahr nach meinem Motorradunfall noch immer an der Spitze mit. Ich kann in Wahrheit Fehler machen und bin trotzdem vorne dabei. Natürlich ist es am schönsten, wenn man immer gewinnt. Aber ich hab Jahre verloren, und die anderen haben enorm aufgeholt. Viele haben mich kopiert. Mittlerweile radelt, läuft und dehnt fast jeder schon so wie ich.

news: Sie waren im Weltcup immer für Ihre brutale Skitechnik bekannt. Wird es jemals wieder so werden?

Maier: Dazu fehlt mir noch das letzte Risiko. Der Unterschied ist der, dass ich vor dem Unfall jedes kleinste Detail herausgetüftelt und es schön langsam auch spielend beherrscht hab. Ich hab noch immer alles in meinem Kopf gespeichert, nur umsetzen kann ich es nicht, weil mein Körper dazu nicht mehr hundertprozentig in der Lage ist. Es sind so viele Nervenbahnen zerstört worden, und dieses Gefühl kommt wahrscheinlich auch nie mehr zurück.

28.1.2005 15:50