Montag, 24. Jänner 2005

Manfred Pranger triumphiert im Nacht- slalom von Schladming: Raich wird Zweiter

  • Österreicher profitieren von Ausrutscher von Rocca
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Manfred Pranger hat am Dienstag vor 45.000 Zuschauern den Nachtslalom von Schladming gewonnen und seinen zweiten Weltcuperfolg innerhalb von drei Tagen gefeiert. An seinem 27. Geburtstag führte der Tiroler einen rot-weiß-roten Doppelsieg an, er verwies Benjamin Raich um vier hundertstel Sekunden auf den zweiten Platz. Pranger bewies Nervenstärke, er wurde nach dem ersten Lauf nachträglich von Platz zwei auf vier zurückgereiht, weil bei ihm und beim Halbzeitführenden Italiener Giorgio Rocca die Zeitnehmung zu früh ausgelöst worden war.

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel brachte es nach dem für Österreich so erfolgreichen Mega-Event auf den Punkt: "Ich freue mich sehr, der Benni holt im Weltcup auf und der Pranger wird zum Seriensieger." Raich liegt im Gesamtweltcup nur noch 95 Punkte hinter dem US-Amerikaner Bode Miller, der als Sechster nach dem ersten Durchgang im Finale ausschied. Im Slalomweltcup hat Raich 64 Punkte Vorsprung auf Pranger. Dritter wurde am Dienstagabend der Schwede Andre Myhrer (0,24 Sekunden zurück), der im zweiten Durchgang überlegene Bestzeit fuhr, auf Platz vier kam mit Rainer Schönfelder (0,31) ein weiterer ÖSV-Läufer.

Probleme mit der Zeitnehmung
Der zweite Durchgang wurde um eine halbe Stunde verspätet gestartet, weil es Diskussionen wegen der Zeitmessung im ersten Lauf gab. Schon bei Schönfelder war sie zu früh ausgelöst, aber gleich wieder korrigiert worden. Bei Rocca und Pranger tauchten dann nach dem ersten Lauf Fragezeichen auf, - übrigens zuerst bei ÖSV-Herren-Cheftrainer Toni Giger, der die Bänder studierte ("Schröcksnadel: "Wir wollen nichts geschenkt") - , beide Zeiten wurden schließlich korrigiert. Der Vorsprung von Rocca, der trotz Korrektur vorne blieb, hatte sich damit verringert. Mit der Art der Zeitfindung nicht einverstanden legte der italienische Verband Protest ein, der aber abgelehnt wurde.

Pranger: "Am Ende war aber dann auch Glück dabei"
Kitzbühel- und Schladming-Sieger Pranger war emotional beinahe überfordert. "Ich habe brutale Emotionsschübe und noch Kitzbühel im Kopf. Die Stimmung ist ein Wahnsinn, mir haben 40.000 Leute Happy Birthday gesungen", sagte er nach dem ersten Lauf. Zum zweiten waren dann sogar 45.000 gekommen, so viele wie vor zwei Jahren. Und die haben ihn noch mehr beflügelt, die Zurückstufung hat er beachtenswert locker weggesteckt. "Mein Masseur hat mir gesagt, du bist jetzt Vierter, nicht Zweiter. Ich hab gesagt, ja. Am Ende war aber dann auch Glück dabei", verwies der Slalom-Mann der Stunde auf den schweren Patzer und Rückfall von Rocca auf Platz 21.

Raich war mit Platz zwei zufrieden und zollte dem Sieger Respekt: "Er hat lange dafür gekämpft, ich vergönne es ihm vom Herzen. Es war sehr schwierig heute, sehr eckig. Ich wollte es runter bringen." Skilegende Alberto Tomba, der von der "unfassbaren Stimmung" überwältigt war, hatte zur Halbzeit gemeint, dass er bei einem Sieg von Raich einen Tag in dessen Racing School im Pitztal den Skilehrer spielen will, nur knapp ist es nicht dazu gekommen.

Probleme für Schönfelder mit Pistengästen und dem Licht
Ein Erlebnis der besonderen Art hatte der viertplatzierte Kärntner Schönfelder, der beim Einfahren für den ersten Lauf von drei nackten Fans begrüßt wurde. "Leider männlich. Sie haben vor mir die Hosen runter gelassen, und ein vierter hat uns dann fotografiert. So was ist mir noch nie passiert." Hatte er also vor Rennbeginn mehr gesehen, als er wollte, fehlte dem Kontaktlinsenträger dann der Durchblick. "Es ist dunkler als sonst, das Licht ist nicht so gut. Bei der Zwischenzeit war ich noch dabei." Am Ende war er verärgert: "Wenn man mich um drei in der Nacht aufweckt und sagt, ich soll nochmal fahren, würde ich besser fahren. Ich kann mich an keinen Trainingslauf erinnern, an dem ich zwanzig Tore so schlecht gefahren bin."

Mario Matt, am Sonntag Zweiter in Kitzbühel, vergriff sich bei der Skiwahl, einen groben Schnitzer führte er darauf zurück. "Ich habe den von Kitz genommen, der passt hier nicht", war der 25-jährige Tiroler ziemlich sauer. Es war ein verkorkster Schladming-Auftritt, denn im zweiten Durchgang sah er dann das Ziel nicht.

Endstand des Weltcup-Slaloms der Herren am Dienstag in Schladming
1.Manfred PrangerAUT1:47,13.51,9255,21
2.Benjamin RaichAUT1:47,17+0,0451,7055,47
3.Andre MyhrerSWE1:47,37+0,2453,1154,26
4.Rainer SchönfelderAUT1:47,44+0,3151,8555,59
5.Jean-Pierre VidalFRA1:47,57+0,4452,7654,81
6.Johan BroleniusSWE1:47,64+0,5152,1055,54
7.Manfred MölggITA1:47,79+0,6652,9254,87
8.Thomas GrandiCAN1:47,81+0,6852,5655,25
9.Michael JanykCAN1:47,83+0,7052,8155,02
10.Kilian AlbrechtAUT1:48,15+1,0252,6655,49
11.Jean-Philippe RoyCAN1:48,25+1,1253,1455,11
12.Pierrick BourgeatFRA1:48,38+1,2553,0255,36
13.Truls Ove KarlsenNOR1:48,42+1,2953,1055,32
14.Kentaro MinagawaJPN1:48,53+1,4052,6255,91
15.Jure KosirSLO1:48,55+1,4252,3756,18
16.Reinfried HerbstAUT1:48,74+1,6153,6555,09
17.Patrick BiggsCAN1:49,00+1,8753,8255,18
18.Chip KnightUSA1:49,05+1,9253,8155,24
19.Jukka LeinoFIN1:49,55+2,4253,7155,84
20.Silvan ZurbriggenSUI1:49,59+2,4653,1256,47
21.Giorgio RoccaITA1:49,74+2,6151,6158,13
22.Ted LigetyUSA1:54,25+7,1253,201:01,05
23.Akira SasakiJPN2:04,05+16,9252,761:11,29 *

* keine Weltcup-Punkte

u.a nicht für den zweiten Durchgang qualifiziert: 36. Patrick Bechter, 38. Martin Marinac, 51. Andreas Omminger (alle AUT)

Ausgeschieden im 1. Durchgang u.a.: Kurt Engl (AUT), Alois Vogl (GER), Drago Grubelnik (SLO), Felix Neureuther (GER), Hannes Paul Schmid (ITA), James Cochran (USA), Kalle Palander (FIN), Tom Rothrock (USA)

Ausgeschieden im 2. Durchgang u.a.: Mario Matt (AUT), Bode Miller (USA), Cristian Deville (ITA), Giancarlo Bergamelli (ITA), Ivica Kostelic (CRO), Lucas Senoner (ITA), Markus Larsson (SWE)

24.1.2005 13:15