Aufstieg der Haider-Schwester: Haubner beerbt Haupt auch als Sozialministerin
- Erst seit 1997 in der Politik: Beginn als Landesrätin
- Zweifache Großmutter gilt als "Gemäßigte" in der FPÖ
FPÖ-Chefin Ursula Haubner (59) setzt ihren Aufstieg fort: Die bisherige Sozial-Staatssekretärin wird nun Sozialministerin. Sie beerbt damit Herbert Haupt, den sie bereits im Vorjahr an der Spitze der FPÖ abgelöst hatte. Zur wirklich starken Frau innerhalb der Freiheitlichen wird die ältere Schwester Jörg Haiders damit aber wohl nicht. Die Führung der Partei wird nicht auf sie konzentriert, sondern es gibt weiter eine breite Spitze. Vizekanzler bleibt Infrastrukturminister Hubert Gorbach und auch der Kärntner Landeshauptmann Haider wird wohl weiter ein gewichtiges Wort mitzureden haben.
Die erst 1997 als oberösterreichische Landesrätin in die hohe Politik eingezogene Haubner gilt als patente und versierte Sozialpolitikerin. Die künftige Sozialministerin hat sich vor allem beim Kindergeld, aber auch bei der Elternkarenz als Staatssekretärin mit mehr oder weniger Erfolg dafür eingesetzt, die Rechte der Arbeitnehmer gegenüber den Dienstgebern zu stärken.
Haubner gilt als eine der Gemäßigten in der Partei. Gemeinsam mit Vizekanzler Gorbach hat sie dazu beigetragen, der FPÖ in der Regierung eine gewisse Stabilität zu geben. Die Serie der Wahlniederlagen konnte sie aber auch nicht stoppen. Auch nach ihrer im Sommer 2004 erfolgten Wahl zur Parteichefin setzte es bei der Landtagswahl im September in Vorarlberg einen weiteren Dämpfer. Von 27,4 Prozent sackte die Partei auf 12,9 Prozent ab.
Die von vielen mit dem Attribut der Parteimutter versehene Oberösterreicherin hatte für ihren Start als Parteichefin auch nicht die allerbeste Ausgangsposition. Am Parteitag am 3. Juli 2004 erzielte sie mit 79 Prozent im Vergleich zu ihren Vorgängern ein bescheidenes Ergebnis. Eine erstarkte Rechte konnte sie nur damit einfangen, dass dem Wiener Landeschef Heinz-Christian Strache der stellvertretende Vorsitze übergeben wurde. Dass die Flügelkämpfe nicht beendet sind, zeigte sich auch gleich im vergangen Herbst bei der Debatte um die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, wo sich vor allem Strache, aber auch Volksanwalt Ewald Stadler und der EU-Abgeordnete Andreas Mölzer eine schärfere Gangart gewünscht hätten.
Laute Worte verwendet Haubner fast nie, auch nicht, wenn es um Parteiagenden geht. Ein Machtwort nach außen wurde von ihr nie gehört. Nur nichts nach außen dringen lassen, dürfte wohl eines ihrer Mottos lauten. Diese Art, ihre Freundlichkeit und ihre Zähigkeit haben sie bisher davor bewahrt, in den seit Jahren tobenden Flügelkämpfen zerrieben zu werden.
Einem ist Haubner dabei stets treu, ihrem "kleinen" Bruder Jörg: Bereits zum Amtsantritt als Staatssekretärin stellte sie klar: "Er soll wissen, ich bin eine verlässliche Partnerin". Zu ihrem unterschiedlichen Auftreten meinte sie einmal: "Ich bin gar nicht das Gegenteil. Wir sind nur unterschiedlich in der Wahl unserer Ausdrucksmittel". Und wenn es zählt, kann sich Haider auch auf sie verlassen. Beim von ihm in die Wege geleiteten Delegierten-Treffen von Knittelfeld, dem wahren Ende von Schwarz-Blau I, stand Haubner an vorderster Front.
Haubner wurde am 22. Dezember 1945 in Bad Goisern in Oberösterreich geboren. 1963 maturierte sie an der Höheren Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe in Bad Ischl. Zwei Jahre später wurde sie hauswirtschaftliche Lehrerin. Ihre politische Karriere begann Haubner auf kommunaler Ebene in Bad Hall, wo sie 1991 Mitglied des Gemeindevorstands wurde. 1994 bis 1996 gehörte sie auch dem Bundesrat an. 1996 zog Haubner als freiheitliche Abgeordnete in den oberösterreichischen Landtag ein, im November 1997 wurde sie FPÖ-Landesrätin. Am 28. Februar 2003 wurde sie schließlich als Staatssekretärin im Sozialministerium nach Wien beordert. Am 20. Oktober 2003 wurde sie zur geschäftsführenden FPÖ-Obfrau bestellt und am 3. Juli 2004 auch zur Parteichefin gewählt.
Neben ihrem politischen hat Haubner auch ein umfassendes privates Leben. Sie ist verheiratet, zweifache Mutter und zweifache Großmutter. (apa)
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