"Weltmeisters des Humors": Satiriker Ephraim Kishon in der Schweiz gestorben
- 80-jähriger Bestsellerautor erlag Herzinfarkt
- Durchbruch in den 50er Jahren, Torberg-Übersetzer
Der bei Lesern auf der ganzen Welt beliebte israelische Bestseller-Autor Ephraim Kishon ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 80 Jahren in seiner Schweizer Wahlheimat Appenzell in den Armen seiner Frau an einem Herzanfall. Kishon galt als erfolgreichster Satiriker der Gegenwart. Er schrieb mehr als 50 Bücher, die in 37 Sprachen übersetzt wurden und weltweit eine Auflage von 43 Millionen erreichten, davon allein 32 Millionen in deutscher Sprache. Kishons Leichnam sollte noch am Sonntag nach Israel übergeführt werden, wo er am Dienstag in Tel Aviv beigesetzt werden soll. Vor dem Begräbnis auf einem Künstlerfriedhof im Stadtzentrum soll der Sarg in Tel Aviv aufgebahrt werden.
Israels Ministerpräsident Ariel Scharon würdigte Kishon als "einen der Giganten unserer Generation". Er habe der israelischen Gesellschaft mit Charme und Scharfsinnigkeit einen Spiegel vorgehalten, sagte Scharon am Sonntag. Seine Erlebnisse als jüdischer Flüchtling und Holocaust-Überlebender hätten sein Talent nicht daran gehindert zu blühen. Der israelische Staatspräsident Mosche Katzav sagte, Kishon habe die israelische Kultur entscheidend mitgeprägt. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, bezeichnete den Autor als "Repräsentant des jüdischen Humors."
Seitens der Buchverlage LangenMüller Herbig, bei denen Kishon seit fast einem halben Jahrhundert Starautor gewesen ist, bedauerte Verlagsleiter Herbert Fleissner den Verlust eines "herausragenden Autors, einer wirklich einmaligen Schriftstellerpersönlichkeit. Aber was viel schmerzvoller ist, eines wundervollen Freundes". Kishon sei noch in den vergangenen Tagen mit großer Begeisterung dabei gewesen, seinem neuen Buch 'Kishon für Österreicher - und alle, die es gerne wären' den letzten Schliff zu geben. Das Buch soll im März 2005 erscheinen.
Kishon wurde 1924 in Budapest als Ferenc Hoffmann geboren. Der ungarisch-jüdische Sohn eines Bankdirektors entkam mit knapper Not den Vernichtungslagern der Nazis und dem Gulag Stalins. Ein Großteil seiner Familie wurde in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. 1949 ging er unter seinem neuen Namen Ephraim Kishon über Wien nach Israel. 1947 gewann er mit seinem ersten Roman "Mein Kamm" den ersten Preis eines landesweiten ungarischen Romanwettbewerbs. Mit der Geschichte vom "Blaumilchkanal" gelang ihm in den 50er Jahren der literarische Durchbruch. Fortan spießte er menschliche Schwächen auf wie die Heuchelei um die Ehe oder die grassierende Bürokratie.
Den internationalen Durchbruch schaffte er 1959, als die "New York Times" sein Buch "Drehn Sie sich um, Frau Lot!" zum Buch des Monats wählte (1961 auf Deutsch erschienen). Es folgten Bestseller wie "Kein Öl, Moses?" (1974), "Paradies neu zu vermieten" (1979) oder "Kishons beste Autofahrergeschichten" (1985). "Familiengeschichten" ist sein international meistgekaufter Titel, abgesehen von der Bibel ist es das meistgekaufte Buch in hebräischer Sprache. Im österreichischen Schriftsteller und Publizisten Friedrich Torberg hatte er jahrelang einen kongenialen Übersetzer gefunden, der Kishons hebräischen Humor gekonnt ins Deutsche übertrug und damit einen Grundstein für seine Berühmtheit im deutschsprachigen Raum legte.
An seinem zweiten Wohnsitz Appenzell schrieb er außerdem Theaterstücke und Drehbücher, darunter eine Comedyserie, die unter seiner Regie gedreht und 1998 unter dem Titel "Sara und Ephraim - Kishons beste Familiengeschichten" ausgestrahlt wurde.
Kishon war mehr als 40 Jahre lang mit "der besten Ehefrau von allen", Sara, verheiratet, mit der er drei Kinder hatte. Nach deren Tod heiratete er 2003 die Österreicherin Lisa Witasek. 1995 verlieh der damalige Bundespräsident Thomas Klestil Kishon das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. Für sein Lebenswerk erhielt er 2002 die höchste Auszeichnung des Staates Israel, den mit rund 12.000 Euro dotierten Israel-Preis.(apa/red)
