Samstag, 29. Jänner 2005

Terror-Welle vor Wahlen im Irak: Raketen- Angriff auf US-Botschaft fordert zwei Tote!

  • Am Samstag mindestens 18 Opfer bei Anschlägen
  • Bush: US-Truppen bleiben auch nach der Wahl

Am Vorabend der irakischen Parlamentswahlen sind beim Beschuss der US-Botschaft in Bagdad zwei US-Bürger getötet worden. Vier weitere Amerikaner wurden am Samstag verletzt, als ein Gebäude der Anlage von einer Rakete oder einer Mörsergranate getroffen wurde, wie ein Botschaftsvertreter sagte. Die US-Botschaft befindet sich in der schwer bewachten Grünen Zone von Bagdad, die bereits häufig Ziel blutiger Anschläge war. Zuvor waren bei einem Selbstmordanschlag auf ein Wahllokal in der Kurdenstadt Khanaqin acht Menschen getötet worden. Angesichts der anhaltenden Gewalt verlängerte die Regierung den Ausnahmezustand im Irak um einen weiteren Monat.

Einzelheiten zum Angriff auf die US-Botschaft wurden zunächst nicht bekannt. Erst am Montag waren bei einem Selbstmordanschlag nahe dem Sitz der Partei von Übergangsregierungschef Iyad Allawi zehn Menschen verletzt worden. Die Partei befindet sich in der Nähe der Grünen Zone. In dieser Zone im Westen Bagdads ist auch die irakische Übergangsregierung.

Bei dem Selbstmordattentat in Khanaqin wurden nach Polizeiangaben acht Menschen getötet, darunter ein Kind und drei Soldaten. Die Gruppe des Extremisten Abu Musab al-Zarqawi bekannte sich in einer Internet-Erklärung, deren Echtheit zunächst nicht feststand, zur Tat. Zugleich drohte die Zarqawi-Gruppe erneut mit weiteren Anschlägen bei der Wahl am Sonntag. "Wir warnen zum letzten Mal, dass morgen ein blutiger Tag für die Juden, die Christen, ihre Agenten und jeden sein wird, der beim Spiel der Amerikaner und Allawis mitmacht."

Allein am Samstag wurden bei Anschlägen und Angriffen insgesamt mindestens 18 Menschen getötet. Am Nachmittag kam bei der Explosion einer Bombe in Bagdad ein US-Soldat ums Leben. Wie die US-Armee mitteilte, ereignete sich der Vorfall im Westen der irakischen Hauptstadt. Am Freitag waren sieben US-Soldaten getötet worden, am Mittwoch beim Absturz eines Transporthubschraubers 31 US-Soldaten.

Regierungschef Allawi verlängerte den Ausnahmezustand im Land bis zum 7. März. Die Maßnahme gelte für den ganzen Irak mit Ausnahme des autonomen Kurdengebiets im Norden, hieß es in einer offiziellen Mitteilung am Samstag. Schon zuvor galten im ganzen Land strengste Sicherheitsmaßnahmen, der Samstag und Sonntag wurden zu Feiertagen erklärt. Auch der internationale Flughafen in Bagdad wurde für das ganze Wochenende gesperrt, die Landesgrenzen blieben ab Samstag für drei Tage geschlossen. Mehrere Städten ordnete eine nächtliche Ausgangssperre an. Für Sonntag galt vielerorts ein Fahrverbot.

Allawi rief seine Landsleute eindringlich zur Wahl auf. "Wir sind dabei, die Zukunft zu errichten, und die Menschen müssen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und entscheiden, welche Zukunft sie wollen", sagte Allawi dem britischen Fernsehsender SkyNews. Zuvor hatte sich Übergangspräsident Ghazi al-Yawar skeptisch über die zu erwartende Wahlbeteiligung geäußert. Er gehe davon aus, dass die meisten Iraker aus Angst vor Gewalt nicht wählen gingen. Später sagte er, dass er mit einer Wahlbeteiligung von zwei Drittel der Iraker rechne.

US-Präsident George W. Bush bezeichnete die Wahl in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache als Beginn von Frieden, Stabilität, Wohlstand und Gerechtigkeit im Irak. Er räumte aber ein, dass die Gewalt der Terroristen ungeachtet des Urnengangs weiter gehen und die US-Truppen daher im Land bleiben würden.

(apa/red)

29.1.2005 21:03