Donnerstag, 27. Jänner 2005

Verluste ohne Ende: 37 Tote - Blutigster Tag für die USA im Irak seit Kriegsbeginn

  • US-Präsident Bush ruft Iraker auf wählen zu gehen
  • US-General erwartet auch nach Wahl "harte Kämpfe"

Die USA haben den blutigsten Tag seit Beginn des Irakkriegs vor 22 Monaten erlebt. Insgesamt starben 37 Soldaten. Allein bei einem Hubschrauberabsturz kamen mindestens 31 US-Soldaten ums Leben. Das bestätigte das amerikanische Militär. Vier Tage vor den Wahlen im Irak starben am Mittwoch außerdem sechs weitere amerikanische Soldaten. Kurz nach dem Einmarsch waren am 23. März 2003 bei Kämpfen 31 Amerikaner getötet worden.

Bei einem Sprengstoffanschlag auf das Hauptquartier der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) in der nordirakischen Großstadt Mossul kamen am Mittwochabend nach Angaben eines Parteisprechers 15 Menschen ums Leben. Die Zahl der Verletzten gab er mit 30 an. Zu dem Anschlag bekannte sich die Terroristengruppe des Jordaniers Abu Musab al-Zarqawi.

Zum Hubschrauberabsturz in der Nacht zum Mittwoch in der westirakischen Wüste bei Rutbah sagte der Chef des US- Zentralkommandos, John Abizaid, am Mittwoch vor Journalisten in Washington, es gebe keine Hinweise auf Feindeinwirkung. Augenzeugen hatten zuvor berichtet, sie hätten den Eindruck gehabt, der Helikopter sei von einer Rakete getroffen worden und dann am Boden explodiert. Ein zweiter Hubschrauber sei ebenfalls unter Feuer genommen worden.

Vier US-Marineinfanteristen starben bei Kämpfen in der westlichen Provinz Anbar. Ein Soldat wurde bei einer Patrouille nördlich von Bagdad getötet. Ein anderer verlor am Mittwochnachmittag in Bagdad durch einen Sprengsatz sein Leben.

Bei einem Autobombenanschlag auf eine Polizeiwache in der nordirakischen Stadt Kirkuk starben am Mittwoch ferner sieben Menschen. Die Todesopfer seien drei Polizisten, zwei irakische Soldaten und zwei Zivilisten, sagte ein Polizeisprecher. Auch an der Zubringerstraße zum Bagdader Flughafen detonierten am Mittwoch innerhalb von vier Stunden zwei Autobomben. Beide richteten sich gegen US-Militärkonvois. Insgesamt sieben amerikanische Soldaten wurden dabei verletzt.

US-Präsident George W. Bush rief die Iraker am Mittwoch auf, sich nicht einschüchtern zu lassen und am 30. Jänner zur Wahl zu gehen. Er erwarte einen "großen Augenblick" in der irakischen Geschichte. Umfragen zeigten, dass die meisten Iraker sich beteiligen wollten, sagte der Präsident. Inzwischen macht sich die Übergangsregierung jedoch ernsthafte Sorgen über eine möglicherweise extrem niedrige Wahlbeteiligung am Sonntag.

Irak "zu 80 Prozent unter Kontrolle"
Justizminister Malik al-Hassan sagte der arabischen Zeitung "Al-Hayat", eine Beteiligung von 50 Prozent und mehr sei akzeptabel. Sollten jedoch nur 15 Prozent der Iraker oder noch weniger zu den Urnen gehen, würde die Legitimität fehlen.

Der Irak ist nach Ansicht von Innenminister Falah al-Nakib "zu 80 Prozent unter Kontrolle der Sicherheitskräfte". Die Wahl werde daher "im ganzen Land stattfinden, egal, was es kostet", sagte er am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Bagdad.

Al-Nakib gab gleichzeitig eine Ausweitung der für die Zeit um den Wahltag angekündigten nächtlichen Ausgangssperre bekannt. Demnach gelte vom 28. bis zum 31. Jänner jeweils von 19.00 Uhr bis 6.00 Uhr ein Ausgangsverbot. Der Minister bekräftigte schon früher verkündete Maßnahmen wie die Schließung der Grenzübergänge vom 29. bis zum 31. Jänner und die Schließung des Bagdader Flughafens für den Zivilverkehr am 29. und 30. Jänner.

US-General erwartet auch nach Wahl "harte Kämpfe"
Der Chef des US-Zentralkommandos, John Abizaid, erwartet auch nach der Wahl am Sonntag im Irak "harte Kämpfe". Es sei davon auszugehen, dass "die Menschen, die den (Demokratisierungs)Prozess zerstören wollen, weiter kämpfen und weiter hart kämpfen werden", sagte Abizaid am Mittwoch (Ortszeit) in Washington.

Der General kündigte zugleich verstärkte Bemühungen seitens des US-Militärs zur Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte an.
(apa)

27.1.2005 07:44