Mittwoch, 26. Jänner 2005

Hubschrauber-Absturz im West-Irak:
31 US-Soldaten laut Medienberichten tot

  • Grund für Unglück noch unklar. Untersuchungen laufen
  • Blutige Anschläge auf Wahllokale und Parteibüros

Bei einem Hubschrauberabsturz im Irak sind am Mittwoch mindestens 31 US-Soldaten getötet worden. Das meldete der Nachrichtensender CNN. Bisher sind seit der Besetzung des Iraks noch nie so viele US-Soldaten auf einmal umgekommen. Bei einem Hubschrauberabsturz im Irak sind am Mittwoch mindestens 31 US-Soldaten getötet worden. Das bestätigte das amerikanische Militär. Vier Tage vor den Wahlen im Irak kamen außerdem fünf weitere amerikanische Soldaten ums Leben. Mit insgesamt 36 US-Toten war es für das amerikanische Militär der verlustreichste Tag seit dem 23. März 2003. An diesem Tag waren 31 Amerikaner getötet worden.

Bei einem Sprengstoffanschlag auf das Hauptquartier der Demokratischen Partei Kurdistans (DPK) in der nordirakischen Großstadt Mosul kamen am Mittwochabend nach Angaben eines Parteisprechers 15 Menschen ums Leben. Die Zahl der Verletzten gab er mit 30 an. Zu dem Anschlag bekannte sich die Terroristengruppe des Jordaniers Abu Musab al-Zarqawi.

Zum Hubschrauberabsturz in der Nacht zum Mittwoch in der westirakischen Wüste bei Rutbah sagte der Chef des US- Zentralkommandos, John Abizaid, am Mittwoch vor Journalisten in Washington, es gebe keine Hinweise auf Feindeinwirkung. Augenzeugen hatten zuvor berichtet, sie hätten den Eindruck gehabt, der Helikopter sei von einer Rakete getroffen worden und dann am Boden explodiert. Ein zweiter Hubschrauber sei ebenfalls unter Feuer genommen worden.

Vier US-Marineinfanteristen starben bei Kämpfen in der westlichen Provinz al-Anbar. Ein Soldat wurde bei einer Patrouille nördlich von Bagdad getötet.

Bei einem Autobombenanschlag auf eine Polizeiwache in der nordirakischen Stadt Kirkuk starben am Mittwoch ferner sieben Menschen. Die Todesopfer seien drei Polizisten, zwei irakische Soldaten und zwei Zivilisten, sagte ein Polizeisprecher. Auch an der Zubringerstraße zum Bagdader Flughafen detonierten am Mittwoch innerhalb von vier Stunden zwei Autobomben. Beide richteten sich gegen US-Militärkonvois. Insgesamt sieben amerikanische Soldaten wurden dabei verletzt.

US-Präsident George W. Bush rief die Iraker am Mittwoch auf, sich nicht einschüchtern zu lassen und am 30. Jänner zur Wahl zu gehen. Er erwarte einen "großen Augenblick" in der irakischen Geschichte. Umfragen zeigten, dass die meisten Iraker sich beteiligen wollten, sagte der Präsident. Inzwischen macht sich die Übergangsregierung jedoch ernsthafte Sorgen über eine möglicherweise extrem niedrige Wahlbeteiligung am Sonntag. Justizminister Malik al-Hassan sagte der arabischen Zeitung "Al-Hayat", eine Beteiligung von 50 Prozent und mehr sei akzeptabel. Sollten jedoch nur 15 Prozent der Iraker oder noch weniger zu den Urnen gehen, würde die Legitimität fehlen.

Vier Tage vor der irakischen Parlamentswahl sind die technischen Vorbereitungen abgeschlossen, wie die Vereinten Nationen bekannt gaben. Zugleich bemühte sich der stellvertretende Generalsekretär Kieran Prendergast am Mittwoch in New York, die Erwartungen in die von Gewalt und Boykottdrohungen überschattete Wahl zu dämpfen. Laut Prendergast haben sich 14,2 Millionen Wahlberechtigte registrieren lassen. Weil das ganze Land ein Wahlbezirk ist, dürfen die zugelassenen Wähler in jedem Wahllokal des Landes ihre Stimme abgeben.

Rund ein Viertel der im Ausland lebenden Iraker hat sich für die Wahl registrieren lassen. Von den schätzungsweise mehr als eine Million irakischen Wahlberechtigten im Ausland trugen sich 280.303 in die Listen ein, teilte die zuständige Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Ablauf der Frist am Mittwoch mit.

Der Irak ist nach Ansicht von Innenminister Falah al-Nakib "zu 80 Prozent unter Kontrolle der Sicherheitskräfte". Die Wahl werde daher "im ganzen Land stattfinden, egal, was es kostet", sagte er am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Bagdad.

Al-Nakib gab gleichzeitig eine Ausweitung der für die Zeit um den Wahltag angekündigten nächtlichen Ausgangssperre bekannt. Demnach gelte vom 28. bis zum 31. Jänner jeweils von 19.00 Uhr bis 06.00 Uhr ein Ausgangsverbot. Der Minister bekräftigte schon früher verkündete Maßnahmen wie die Schließung der Grenzübergänge vom 29. bis zum 31. Jänner und die Schließung des Bagdader Flughafens für den Zivilverkehr am 29. und 30. Jänner.

(apa)

26.1.2005 21:10