Dienstag, 25. Jänner 2005

Zahl der Tsunami-Opfer steigt weiter an:
Mehr als 280.000 Menschen starben bei Flut

  • Staatsbürger aus 50 Ländern sind sich unter den Toten
  • Trauern ohne Grab: Schweres Schicksal für Angehörige

Einen Monat nach der Katastrophe in Südasien durch ein schweres Seebeben und die anschließende Flutwelle gehen die Behörden in der Region inzwischen von mehr als 280.000 Todesopfern aus. Die internationalen Spenden entfalten vielerorts ihre Wirksamkeit, nach wie vor aber sind Regionen unterversorgt. Unter den elf direkt von dem Tsunami betroffenen Ländern hat Indonesien mit mittlerweile 228.429 Toten oder Vermissten die meisten Opfer zu beklagen.

Sri Lanka geht von 30.957 Toten und 5.565 Vermissten aus. Mindestens 10.744 Menschen starben in Indien, das Schicksal weiterer 5.669 ist dort ungeklärt. Thailand zählte bisher 5.384 Tote, für 3.134 Vermisste gibt es kaum noch Chancen. 298 Menschen starben in Somalia, 82 auf den Malediven. Insgesamt waren Staatsbürger aus 50 Ländern, darunter 20 europäischen Staaten, unter den Toten.

Nach UNO-Angaben sind mehr als 1,5 Millionen überlebende Kinder von den Folgen der Katastrophe betroffen. Zehntausende von ihnen verloren einen oder beide Elternteile, viele leiden Hunger und sind obdachlos. Im Chaos nach der Flut tauchten Berichte über Menschenhändler auf, welche die Katastrophe für den Handel mit Kindern genutzt haben sollen. Auch wurden vereinzelt Fälle von Missbrauch und Vergewaltigung bekannt.

Trauerarbeit ohne Grab
Ab und zu appellieren politische oder geistliche Würdenträgern noch, die Hoffnung nicht aufzugeben, doch einen Monat nach der Flut-Katastrophe in Südostasien fällt das angesichts der ständig steigenden Opfer-Zahlen von Tag zu Tag schwerer. Manche klammern sich vielleicht noch an die Hoffnung, dass ihre Lieben überlebt und nun ein abgeschiedenes Dasein irgendwo im Dschungel fristen, doch genau diese Hoffnung erschwert für viele den normalen Trauerprozess.

Trauern ohne Grab - bangen ohne Lebenszeichen, lautet das Schicksal, das vier Wochen nach der Katastrophe tausende Menschen überall in der Welt teilen. Doch der Mensch braucht Verabschiedungsrituale und einen Ort der Erinnerung, um den Trauerprozess aufnehmen zu können, weiß Johann Krug von der Bestattung Wien. Das Bestattungsunternehmen wäre daher bereit, nach einer gewissen Zeit oder nach der offiziellen Todeserklärung der Tsunami-Opfer, deren Namen auf bestehende Familiengräber aufzunehmen oder Gedenkstätten auf den jeweiligen Friedhöfen einzurichten. So hätten Angehörige wenigstens einen Ort, den sie pflegen, besuchen und an den sie ihre Trauer tragen können.
(apa/red)

25.1.2005 10:09