Samstag, 29. Jänner 2005

Nach erschütternden "Fall Christian": Justiz zieht nach einem Jahr Konsequenzen

  • Gerichtsvollzieher werden künftig von Experten begleitet
  • 8-Jähriger wurde 2004 mit Gewalt von Vater weggezogen

Die Justiz habe in einem Erlass Konsequenzen aus dem "Fall Christian" gezogen. Der achtjährige Bub war vor einem Jahr in Salzburg von einem Gerichtsvollzieher unter Gewaltanwendung seinem Vater entzogen und seiner Mutter übergeben worden. Künftig, so Günther Winsauer, Sprecher des Oberlandesgerichts Linz im ORF-Radio, werde der Gerichtsvollzieher nicht mehr allein gelassen. Er werde Unterstützung von Experten bekommen und damit eine Entscheidungshilfe, wann eine Amtshandlung abgebrochen werden müsse.

Im Einzelfall werde auch ein Krisenstab anwesend sein. Dieser bestehe aus dem regionalen Verantwortlichen für den Gerichtsvollzieher, Psychologen und Leuten des Jugendamtes, die im Umgang mit Kindern in Krisensituationen besonders geschult seien. Wenn notwendig, seien auch Verantwortliche der Sicherheitsbehörden anwesend. Alle 400 Gerichtsvollzieher werden außerdem speziell geschult, damit "ein Fall Christian nie mehr stattfindet", so Winsauer.

Im Schnitt werden österreichweit jährlich etwa 20 Mal Scheidungskinder mit staatlicher Gewalt einem Elternteil abgenommen und dem anderen übergeben. (apa)

29.1.2005 14:45