Sonntag, 30. Jänner 2005

FORMAT: Blaues Familienprogramm - wie die Haiders nun Partei fest im Griff haben

  • FPÖ soll nun bis zur Wahl zur Familienpartei werden
  • Meinungsforscher Hajek: "Große Brocken weggeräumt"

Als die Mitarbeiter von Herbert Haupt Montag früh ihre Computer hochfuhren, hatten sie keine Ahnung, was auf sie zukommen würde. Kurz vor neun Uhr traf dann die Nachricht vom Rücktritt ein. Haupt hatte sich per Handy gemeldet. Er werde am Nachmittag ins Büro kommen, um sich persönlich zu verabschieden. Das hatte gesessen: Eine Sekretärin brach in Tränen aus. Ein Mitarbeiter, der gerade mit seiner Freundin von Tirol nach Wien übersiedelt war, saß fassungslos in der Ecke. Haupts rechte Hand, sein Sprecher Gerald Gross, rotierte völlig aufgelöst durchs Ministerium. Mit dem Rücktritt von Haupt hatte niemand gerechnet. Nicht einmal Herbert Haupt selbst.

Nur zehn Stunden vorher hatte der Sozialminister bei der FPÖ-Klausur im steirischen Pöllauberg noch eisern um seinen Job gekämpft. Jörg Haider und sein Landesparteiobmann Martin Strutz hatten wie schon öfter Haupts Posten für FP-Chefin Haubner gefordert. Als Ministerin habe sie einfach ein besseres Auftreten nach außen als in ihrer derzeitigen Funktion als Staatssekretärin. Haupt hielt dagegen: Die Wähler würden die ständigen Wechsel nicht goutieren. Über drei Stunden dauerte die emotionale Diskussion. Um 23 Uhr gab Haupt entnervt auf.

Seit Mittwoch ist FPÖ-Chefin Ursula Haubner offiziell neue Sozialministerin, ihren Staatssekretärsposten übernimmt der Haider-getreue Kärntner Abgeordnete Sigisbert Dolinschek. Damit steht fest: Die FPÖ ist fester denn je in der Hand der Familie Haider. Der Kärntner Landeshauptmann hat seine Macht demonstriert und Haupt doch noch abgesetzt, seine Schwester ist in ihrer neuen Funktion deutlich aufgewertet.

Wahltaktisch macht der Wechsel an der Spitze des Sozialressorts für die FPÖ ebenfalls Sinn: Der Sozialbereich bietet für Haubner in den verbleibenden eineinhalb Jahren bis zur Wahl eine gute Bühne, um die Blauen als Familienpartei zu etablieren.

Herbert Haupt hat mit der Pensionsreform samt Harmonisierung und der Neuordnung des Hauptverbandes die unangenehmen Aufgaben des Ressorts erledigt, viel inhaltliche Arbeit ist für Haubner nicht mehr übrig.

Lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT, welche Probleme trotzdem noch auf Haubner zukommen

30.1.2005 07:35