Donnerstag, 3. Februar 2005

NEWS: Land sieht schwarz - wie Kanzler Polit-Ziele mit Personalpolitik durchsetzt

  • Bilanz von fünf Jahren Umfärbung - Opfer und Gewinner
  • PLUS: Networld hat die Namen zum DURCHKLICKEN

Die sagenumwobene Liste schlummert tief in einem Tresor. Die momentane Lagerstätte ist nicht gänzlich geklärt - VP-Zentrale, Kanzleramt oder Büro des "geheimen Personalchefs der Republik", Klubobmann Molterer? Der brisante Inhalt: Fein säuberlich werden Institutionen, Namen bisheriger und künftiger Amtsinhaber und "Prioritäten" zwischen sehr hoch, hoch und niedrig aufgelistet. Wessen Namen sich dort findet, dem droht ein Karriereknick - oder der Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit Proponenten von Schwarz-Blau.

Obwohl Molterer und Wolfgang Schüssel die Existenz der geheimen Personalliste stets dementierten, berichten Insider, die des Originals ansichtig wurden, dass das mittlerweile etwas abgegriffene Dokument vielfach handschriftlich ergänzt und in noch mehr Punkten schlicht abgehakt ist. Kein Wunder: Dient es doch dem praktischen Zweck, dass der Kanzler auch personell seine Ziele, vor allem "weniger Staat, mehr privat", umsetzen kann.

"Systematische Umfärbung
Die Bilanz der schwarzen Personalpolitik, die Herbert Krejci, Exgeneral der Industriellenvereinigung und Grandseigneur des bürgerlichen Lagers, als "systematische Umfärbung" bezeichnet, kann sich jedenfalls sehen lassen:

Allein im Bereich der Verstaatlichten-Holding ÖIAG und ihrer Töchter finden sich im Handelsregister eindrucksvolle Zahlen: Nicht nur dass mit Ex-SP-Minister Rudolf Streicher und Johannes Ditz, mit dem der VP-Chef noch 1995 wahlkämpfte, zwei Widerspenstige durch Peter Michaelis und Rainer Wieltsch, zwei eher Willfährige - Wieltsch brillierte zuletzt bei der VP-Neujahrskonferenz am Podium - ersetzt wurden. Es wurden im ÖIAG-Imperium seit 2000 18 neue Manager installiert, 99 Aufsichtsräte geschasst und geschätzte 22 Millionen Abfertigung ausbezahlt. Dass etwa im Fall Vagn Soerensen neben dem roten AUA-Vorstand Herbert Bammer auch des Öfteren großkoalitionäre Schwarze wie sein Kollege Mario Rehulka geopfert wurden, fällt bloß in die Kategorie "Collateral Damage".

Bei ÖBB mit 47 in Pension
In freundliches Feuer, für das indirekt der Steuerzahler die Zeche zahlt, kam auch ein einst gefeierter Star: Ex-ÖBB-Boss Rüdiger vorm Walde, statt SP-Mann Helmut Draxler installiert, kam über Aufsehen erregende Frühpensionierungen nicht hinaus - der SP-nahe Personalchef Wolfgang Moldaschl musste mit 47 Jahren und über 5.000 Euro monatlich gehen, Niki Lauda schied aus dem Aufsichtsrat, weil er diesem "Polittreiben" nicht länger zusehen wollte. Auch vorm Walde musste kürzlich gehen: Gefunden wurde mit Porr-Manager Martin Huber ein Mann mit Top-Record - und VP-Parteibuch.

Dass bei Böhler-Uddeholm Schüssel-Mastermind Claus Raidl den Roten Wehsely verdrängte und bei der VA-Tech ein CVler, der schon vor dem Siemens-Deal wegen bester Kontakte zur dortigen CV-Partie intern scheel angesehen wurde, und ein oberösterreichischer VP-Vizebürgermeister die starken Männer sind, ist keine politische Frage mehr - wen Privatisierte anstellen, ist ihre Sache. (red)

3.2.2005 11:16