Freitag, 28. Jänner 2005

Anschlag in Oberwart: Gedenkfeier für die vor zehn Jahren ermordeten Roma

  • Rohrbombenattentat forderte 1995 vier Menschenleben
  • Fischer: "Gewalt kann kein Instrument der Politik sein"

In Oberwart fand Freitag Abend eine Gedenkfeier für die vier Opfer des Bombenattentats vom 4. Februar 1995 statt. Im Rahmen einer schlicht gehaltenen Zeremonie legten Bundespräsident Heinz Fischer, Staatssekretär Franz Morak (V) und Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl (S) beim Mahnmal der getöteten Roma Kränze nieder und gedachten gemeinsam mit den Angehörigen der Opfer. "Gewalt kann kein Instrument der Politk sein", erklärte der Bundespräsident in seiner Rede. Ein weiterer Grundsatz des Umgangs miteinander sei, dass alle Menschen gleichwertig seien.

Den 4. Februar vor zehn Jahren habe er in klarster Erinnerung behalten. Das Attentat habe ihn deshalb so aufgewühlt, weil neben Menschenleben auch die Überzeugung zerstört worden sei, dass - mit einer einzigen Ausnahme in den sechziger Jahren - "die Zweite Republik die Tötung aus politischem Hass nicht gekannt hat". Vier Menschen seien wegen ihrer Volksgruppenzugehörigkeit als Roma getötet worden: "Das war wirklich ein Schock, auch ein Kulturbruch", so Fischer, der auch auf die zeitliche Nähe des Gedenkens zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz Bezug nahm.

Die Bilder von damals seien ihm noch heute allgegenwärtig, erzählte Rudolf Sarközi, der Obmann des Kulturvereins österreichischer Roma: "Was hier geschah, war unfassbar." Nach dem Attentat habe er jeden Tag in der Früh sein Fahrzeug kontrolliert, ob nicht irgendwo ein Sprengsatz angebracht war: "Ich war immer erleichtert, wenn ich den Schlüssel umdrehte und es war nichts."

Bilanz wolle er an diesem Ort keine ziehen: "Selbstverständlich gibt es noch offene Anliegen", einiges könnte man schneller erledigen, anderes brauche Zeit, um zu wachsen. An die Gesellschaft appelliere er, der Jugend eine Chance zu geben: "Sie braucht Arbeitsplätze, um den sozialen Aufstieg zu erreichen."

Morak sprach von einer "noch immer schier unbegreiflichen Tat", die vier Menschen zum Opfer werden ließ. Man müsse die Geschichte aufarbeiten, die Gegenwart kritisch reflektieren und in die Zukunft investieren.

Beim Anschlag vom 4. Februar 1995 handle es sich um das folgenschwerste politisch motivierte Attentat in der Zweiten Republik, so Landeshauptmann Niessl. Es sei wichtig, daraus die richtigen Lehren zu ziehen, "dass wir täglich für Menschlichkeit kämpfen müssen". "Wir verneigen uns vor den Angehörigen und unser Mitgefühl gilt den Opfern", so Niessl. Im Anschluss an die Gedenkfeier besuchte Fischer die nahe dem Ort des Attentats gelegene Roma-Siedlung in und das Offene Haus Oberwart.

(apa)

28.1.2005 20:42