Donnerstag, 27. Jänner 2005

Missstände in Wiener Gerichtsmedizin: Institutsvorstand Hochmeister abgesetzt

  • Rektor der Uni: "Vertrauensverhältnis massiv gestört"

Paukenschlag an der Wiener Gerichtsmedizin: Der Rektor der Medizinischen Universität, Univ.-Prof. Wolfgang Schütz, hat Manfred Hochmeister mit sofortiger Wirkung als Leiter des Departments für Gerichtliche Medizin abgesetzt. "Das Vertrauensverhältnis war massiv gestört. Der Schritt war formal einfach notwendig", erklärte Schütz am Donnerstagabend.

"Hochmeister ist darüber gestolpert, dass er Einnahmen des Departments zum Teil über ein privates Konto abgewickelt hat", erläuterte der Rektor. Es sei zwar "weitgehend auszuschließen, dass er daran privat verdient hat", in einer leitenden Funktion könne man sich so eine Vorgangsweise aber nicht erlauben, meinte Schütz.

Gegen Hochmeister sind gerichtliche Vorerhebungen wegen des Verdachts der Untreue anhängig. Nach dem Ankauf von Analysegeräten hatte er nachträglich insgesamt 8.980 Euro auf ein auf seinen Namen lautendes Konto überwiesen bekommen. Wie Schütz mitteilte, wäre das Geld grundsätzlich gar nicht der Gerichtsmedizin, sondern der Universität zugestanden. Außerdem seien die Beträge als Spenden deklariert gewesen.

Hochmeister war zu keiner Stellungnahme bereit. Sein Anwalt berief sich auf die Verschwiegenheitspflicht und wollte ebenfalls keinen Kommentar mehr abgeben.

Der Rektor wies diese Darstellung allerdings zurück. Die Absetzung Hochmeisters habe im Übrigen nichts mit dessen "internen Schwierigkeiten" zu tun, betonte Schütz.

Hochmeister war seit 2001 als Professor an der Wiener Gerichtsmedizin tätig. Er gilt als DNA-Experte mit internationalen Erfahrungen.
(apa)

27.1.2005 19:12