Montag, 24. Jänner 2005

Zivildienst: Caritas-Präsident Küberl erwartet Abschaffung der Wehrpflicht

  • Es "muss die Dauer des Zivildiensts reduziert werden"
  • Erleichterung für Ableistung des Zivildiensts im Ausland

Caritas-Präsident Franz Küberl kann sich Österreich auch ohne allgemeine Wehrpflicht vorstellen. "Es ist so, dass ich die Abschaffung auf die nächsten fünf oder zehn Jahre hin für wahrscheinlicher halte, als die Nichtabschaffung", sagte er im Gespräch mit der APA. Zu dieser "sehr persönlichen Interpretation" kommt das Mitglied der Zivildienst-Reformkommission wegen der "Umstellungen, die sich in Europa und weltweit ergeben". Österreich gehöre inzwischen zu den wenigen Ländern in Europa, in denen es eine allgemeine Wehrpflicht gibt.

"Die Zeichen der Zeit gehen aber sichtlich in Richtung von Berufsheeren mit Anteil freiwilliger Ableistung von Präsenzdienst. Und das hätte große Auswirkungen auf den Zivildienst." Küberl sei deshalb "sehr dafür, jetzt schon die Weichen zu stellen, damit mit einer allfälligen Abschaffung der Wehrpflicht Voraussetzungen geschaffen sind, einen attraktiven freiwilligen Sozialdienst anbieten zu können."

Zu diesem Thema tagt die Zivildienst-Reformkommission diese Woche. Bis Donnerstag erwartet Küberl ein Ergebnis. Was die Dauer des Zivildienstes betrifft, gibt sich der Präsident bedeckt. "Da sind die Verhandlungen noch nicht ganz abgeschlossen." Deswegen sei es nicht "klug", so Küberl, eigene Zielsetzungen bekannt zu geben. Prinzipiell gilt: "Natürlich muss die Dauer des Zivildiensts reduziert werden, wenn der Wehrdienst reduziert wird."

Weitere Details der Ergebnisses verrät Küberl indes schon: "Einerseits sollte es prinzipiell so sein, dass es in Zukunft eine Art Dach für einen österreichischen Sozialdienst gibt, in dem der verpflichtende Zivildienst für junge Männer eine wichtige Säule darstellt. Es wird so sein, dass in Zukunft auch Zivildiener einen freiwilligen zusätzlichen Dienst leisten können. Es wird so sein, dass Frauen einen freiwilligen Dienst leisten können. Und es wird so sein, dass der Zivildienst auch leichter im Ausland ableistbar sein soll." Künftig könnten Zivildiener womöglich auch in Caritas-Projekten in Osteuropa oder in Afghanistan eingesetzt werden.

Freiwillige für Sozialaufgaben zu gewinnen, sei eine Frage von attraktiven Einsatzfeldern. Es sei auch eine Frage von attraktiver Bezahlung. "Jeder junge Mensch soll gleich viel wert sein, egal ob er Zivildienst oder Wehrdienst leistet", betont Küberl. Auch die Frage von Versicherungszeiten und Versicherungsschutz müsse "sauber" gelöst werden. Außerdem regt Küberl an, dass der Zivildienst "für die zukünftigen Berufsaussichten eine Rolle spielen soll", weil er als Praktikum anerkannt wird oder als Vorstufe. "Ich halte es für sehr wichtig für die Zukunft unseres Landes, dass man zum Beispiel bei einem Baupolier, der Zivildienst geleistet hat, anerkennt, dass er mehr soziale Kompetenz hat." (apa)

24.1.2005 10:10