Anhalten der Kirchenaustritte für Küng möglich: Nicht sicher ob schon am Tiefpunkt
- Bischof: "Bindungen zur Kirche sind dünn geworden"
- Zahl der Priester seit 1950 um ein Drittel gesunken
·Neuer Rekord bei Austritten aus Kirche
45.000 österreichweit - in St. Pölten alleine 5.100
Der St. Pöltner Bischof Klaus Küng glaubt noch nicht an ein Ende der Austrittswelle in der katholischen Kirche. "Ich bin auch nicht sicher, ob wir schon am Tiefpunkt sind, obwohl ich Optimist bin", meinte Küng am Sonntag in der ORF-Sendung "offen gesagt". "Wenn man genauer hinschaut, ist die Bindung zur Kirche bei so und so vielen dünn geworden. Es genügt ein Anlass, dass das zu Austritten führt."
Die Kritik des Ombudsmannes für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Erzdiözese Wien, Helmut Schüller, an mangelnden Fortschritten in der Ökumene und am Umgang der Kirche mit dem Priestermangel wies Küng jedoch zurück: Einfache Lösungen nach dem Motto "wir nehmen den Zölibat weg" könne es nicht geben. Und, an Schüller persönlich: "Sie haben die Neigung, immer auf die Kirche eine drauf zu hauen." Das löse aber "überhaupt nichts", man müsse die Dinge "gründlicher diskutieren".
Das wollte Schüller nicht auf sich sitzen lassen. Er konterte, was er gesagt habe, seien Dinge "die Sie, wenn Sie die Dekanatskonferenzen des Landes bereisen würden, jederzeit hören könnten". Unter anderem hatte Schüller davor gewarnt, dass in einiger Zeit auch "Kernschicht-Gebundene" der Kirche den Rücken kehren könnten. Als Grund dafür sieht Schüller unter anderem die "Ausdünnung" der Pfarren durch den Priestermangel.
Der Theologe Paul Zulehner verwies darauf, dass die Austrittswelle bis zum Abgang von Kardinal König Mitte der 80er Jahre hintangehalten worden sei. Die danach folgenden Bischofsernennungen hätten jedoch einen Kurswechsel in der Kirche eingeläutet: "Man hat die falschen Leute erwischt, denn man hätte auch klügere Konservative finden können. Und dafür haben wir einen unglaublich hohen Preis gezahlt, in der Kirche."
Zahl der Priester um ein Drittel gesunken
Die Zahl der Diözesanpriester hat sich in den vergangenen 50 Jahren um ein Drittel reduziert. Im Jahr 1950 weist die offizielle Kirchenstatistik österreichweit 3.303 Diözesanpriester aus. Der Höchststand wurde 1981 mit 3.325 Weltpriestern erreicht. Von da an ging es bergab. Im Jahr 2003 gab es nur noch 2.450 Diözesanpriester. Verschärft wird die Situation durch rückläufige Zahlen bei Neupriestern. 1960 wurden noch 103 Weltpriester geweiht, 2003 nur noch 18.
Ähnlich ist die Entwicklung bei den Ordenspriestern. 1980 gab es noch 2.090 Ordenspriester, 2003 nur noch 1.576.
(apa/red)
