TV-MEDIA: Der Quotenhit 'Super Nanny' startet mit neuen Erziehungs-Folgen
- Neues Konzept nach heftiger Kritik von Kinderschützern
- Auch ATV+ kommt ab 1. März mit eigener Supernanny

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Wenn Max tobt, dann heftig. Da knallt der Sechsjährige der Mutter einen Polster um die Ohren, reißt seine Schwester bei den Haaren und drischt Kaffeehäferl vom Tisch.
Ein Fall für die Super Nanny - denn wie einst der Wind die strenge Mary Poppins ans Gartentor der Familie Banks wehte, schickt nun RTL die Super Nanny in Familien, um hilflosen Eltern unter die Arme zu greifen.
Am 26. Jänner startet der RTL-Quotenhit 'Die Super Nanny' mit neuen Folgen. Konzeptänderung inbegriffen...
Ab Mittwoch, 26. Jänner, geben Diplompädagogin Katharina Saalfrank und ihre neue Kollegin Nadja Lydssan abwechselnd in 16 Folgen Eltern Tipps, wie sie aus Kinderzimmeranarchos (im Alter von 2 bis 17 Jahren) liebenswerte Sprösslinge machen.
Familienterror macht Quote
Und der Terror in der Familie sorgt für Quote: Bis zu 5,6 Mio. deutsche und 210.000 österreichische Seher sahen im Herbst '04 zu, als Super Nanny Saalfrank dem Wüten - mit oft auch reschen Erziehungsmaßnahmen - Einhalt gebot.
ATV+-Austropendant
Und ob des Quotenerfolges setzen prompt auch andere Sender auf das Erziehungs-TV: Bei RTL 2 sind Die Supermamas im Einsatz (nächste Folge am 1. Februar), im ORF berät bei Help TV Martina Leibovici-Mühlberger (2. Februar), und ATV+ schickt das RTL-Austropendant Die Supernannys ab 1. März on air (Details im Kasten).
Einsatz der neuen Nanny
Gleich zum Auftakt der neuen RTL-Folgen hat Super Nanny Nadja Lydssan (verbuchte bei ihrem ersten Einsatz vor Weihnachten 4,1 Mio. Seher) am Mittwoch ein harte Nuss zu knacken: Der vierjährige Marvin wird beim Streit ums Spielzeug mit seinem Bruder Justin, 2, handgreiflich. Und Marvin macht auch vor seinen Eltern nicht halt: Kratzen, beißen und spucken stehen auf der Tagesordnung.
Goldene Erziehungsregeln
Wichtigste Regeln, so Lydssan zu TV-MEDIA: "Eltern müssen Vorbilder sein." Dazu gehört etwa: Aggressionen und Schimpfwörter sind tabu! Ebenso wichtig ist Beharrlichkeit. Super Nanny Lydssan: "Kinder brauchen Grenzen und Regeln. Und die Eltern müssen sie konsequent umsetzen und einhalten." Kollegin Saalfrank ergänzt: "Wenn sich die Kinder nicht an die Regeln halten, muss eine Strafe folgen. Entweder muss das Kind in sein Zimmer, oder der Fernseher bleibt aus. Wichtig: Kündigen Sie Strafen an! Ihr Kind kann sich dann überlegen, ob es nicht lieber hören will." Völlig tabu als Strafe: Ohrfeigen. Denn, so Saalfrank: "Kinder dürfen niemals geschlagen werden! Wie sollen sie lernen, miteinander friedlich umzugehen, wenn sie Ohrfeigen bekommen?" (Details im Kasten rechts.)
Heftige Kritik
Allerdings: Der TV-Einsatz der Super Nannys stößt nicht nur auf Begeisterung, sondern auch auf heftige Kritik. Der Deutsche Kinderschutzbund moniert, dass "Voyeurismus auf Kosten der Kinder" betrieben werde: "Die Serie propagiert ein autoritäres Modell und lässt jeglichen Respekt vor den Rechten und der Würde von Kindern vermissen." Denn im Gegensatz zu Realityshows wie Big Brother (RTL 2), wo Erwachsene entscheiden, ob sie mitmachen, werden bei Super Nanny "verhaltensauffällige Kinder unfreiwillig zu Hauptdarstellern". Außerdem zeigt die Sendung "Kinder ausschließlich als aggressive und respektlose kleine Tyrannen". Die Frankfurter Allgemeine Zeitung geht d'accord: "Die Super Nanny mag keine Kinder, sie tut nur so. Würde sie sonst Kameras an Kinderzimmerdecken installieren lassen, damit 5 Mio. Zuschauer zwischen Faszination und Entsetzen den kleinen Max dabei beobachten können, wie er tobt, weint, sich gegen die Tür schmeißt und irgendwann vor Verzweiflung aufgibt?"
RTL: Änderungen wegen Kritikerschelte
Die Kritik ging nicht ungehört an RTL vorbei. Sprecherin Karla Durchleuchter zu TV-MEDIA: "Wir sind mit dem Kinderschutzbund in Kontakt und haben bei den neuen Folgen Änderungen vorgenommen. Bei der Materialauswahl wird nun darauf geachtet, dass die Kinder nicht nur als kleine Teufelchen dargestellt werden. Jetzt wird mehr vom normalen Alltag der Familie gezeigt."
ATV+: ,Supernanny' ab 1. März
Mary Poppins kommt auch zu ATV+: Ab 1. März gibt Pädagogin Sabine Erdinger, 36, in vorerst vier Supernanny-Folgen um 20.15 Uhr Familien mit "schwierigen" Kindern Tipps. Produziert wird die Serie (wie das RTL-Pendant) von der deutschen Firma Tresor. Großen Wert legt ATV+, so Sprecherin Alexandra Damms, darauf, dass die Würde der Kinder gewahrt wird: "Die Kinder werden nicht vorgeführt! Wir zeigen das familiäre Umfeld viel deutlicher als RTL. Und wir zeigen, dass die Eltern Schuld haben, wenn ihre Kinder verhaltensauffällig sind!"
(Lesen Sie mehr in TV-MEDIA 4/2005)
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