Mittwoch, 19. Jänner 2005

NEWS-Lokalaugenschein in Innsbruck: Im Labor des Grauens

  • Wo die Tsunami-Toten ihre Namen bekommen

DNA-Zentralstelle: Das Analyse-Zentrum in der Tiroler Hauptstadt ist zentrale Anlaufstelle für die Opfer-Identifizierung.
DNA-Alarm: Jetzt schlagen erstmals die Pathologen Alarm: Viele der Opfer werden für immer „unbekannt“ bleiben.

Das anonyme Archiv des Todes ist ein steriler Plastikbehälter im DNA-Labor der Innsbrucker Gerichtsmedizin. Wenn Walther Parson, Chef der Spezialabteilung, den Deckel öffnet, dampft klirrende Kälte in den Raum. Und gibt den Blick frei auf Dutzende genormte Aluminiumschachteln. In ihnen stecken jene 37 DNA-Proben, die bisher aus dem Katastrophengebiet eingetroffen sind.

Parsons Stirn furcht sich, wenn er sagt, wie die bittere Wahrheit aussieht: „Von jenen 37 Proben, die bislang aus Sri Lanka bei uns einlangten, waren 50 Prozent bereits von schlechter Qualität. Eine eindeutige DNA-Struktur war bislang aus diesen noch nicht abzulesen.“

Tsunami – die letzte Tragödie: Wie viele Tote werden es sein, die letztlich einen Namen bekommen, wie viele Angehörige können ihre Liebsten bestatten? Die offizielle Zahl jener österreichischen Touristen, die bei dem Tsunami ums Leben gekommen sind, ändert sich vorerst kaum. 13 Personen, lässt das Bundeskriminalamt bereits seit über einer Woche täglich verlauten, sind bei der Tragödie gestorben. Das gilt als gesichert. Weil die Leichen der Betreffenden gefunden – und identifiziert – wurden.

2.000 Obduktionen. Was aber ist mit jenen knapp 130 Urlaubern, die bis dato in dem Krisengebiet lediglich als verschwunden gelten – von denen seit dem 26. Dezember 2004 jede Spur fehlt? Etwa 2.000 Leichen von Ausländern wurden mittlerweile in den Katastrophengebieten geborgen, unzählige hat das Meer nicht mehr freigegeben. Für die Angehörigen der meisten Flutopfer wird es daher vermutlich niemals eine endgültige Gewissheit darüber geben, was mit ihren Kindern, Eltern, Ehepartnern, Geschwistern und Freunden geschehen ist.

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19.1.2005 16:32