Freitag, 21. Jänner 2005

FORMAT: Nach dem Tsunami kommt das Tsumoney - der große Spenden-Check

  • Zweckgebundenheit der Spenden wird zum Problem
  • PLUS: Die wichtigsten Hilfsorganisationen im Überblick

Vier Wochen nach der Flutkatastrophe sind in Österreich schon über 40 Millionen Euro gespendet worden. Der Löwenanteil davon geht an die großen Hilfsorganisationen: 25 Millionen sammelte allein Nachbar in Not.

Neun Millionen langten zusätzlich auf dem Spendenkonto der Caritas ein, weitere sieben Millionen beim Roten Kreuz, und die Ärzte ohne Grenzen bekamen ohne eine einzige Aussendung zwei Millionen Euro. Selbst das ÖVP-nahe Hilfswerk mit einem normalen Jahresbudget von etwas über acht Millionen Euro plant Wiederaufbauprojekte im Umfang von 10 Millionen.

Mit dem Geld wird schnell und effizient geholfen
Schon Stunden nach der Flutwelle wurden die ersten Hilfspakete verteilt, nun sind in den Katastrophengebieten Assessment-Teams unterwegs, um den Wiederaufbau zu planen und zu koordinieren. Möglich ist das dank des globalen Netzwerks der großen Hilfsorganisationen und ihrer hochspezialisierten Mitarbeiter.

Die Caritas etwa hat in jeder Diözese im Flutgebiet Partner. Das Rote Kreuz und der Rote Halbmond sind praktisch in jedem Land der Erde aktiv, und selbst kleinere Entwicklungsorganisationen wie Care haben im Flutgebiet über 700 Mitarbeiter, die seit den 70er Jahren Aufbauarbeit leisten und die nötigen Erfahrungen für einen sinnvollen Wiederaufbau haben. "Wir brauchen einen langen Atem. Die Fernsehkameras sind schnell weg, aber der Wiederaufbau wird mindestens drei Jahre dauern", sagt Michael Opriesnig vom Roten Kreuz.

Bilanzen werden von Wirtschaftsprüfern kontrolliert
Wer wissen will, was mit seiner Spende geschieht, wird bei all diesen Organisationen im Detail informiert. Alle lassen ihre Bilanzen durch Wirtschaftsprüfer kontrollieren und veröffentlichen ihre Geschäftsberichte. Und der Wille des Spenders ist Befehl: Denn die Spenden werden grundsätzlich zweckgebunden verwendet. Geld, das für Tsunami-Opfer gespendet wird, muss auch für Tsunami-Opfer ausgegeben werden.

Zweckgebundenheit der Spenden wird zum Problem
Die Ausmaße dieser zweckgebundenen Spenden rufen nun allerdings Kritik hervor. UN-Koordinator Jan Egeland sieht darin ein "ernstes Problem": Denn durch die hohe mediale Aufmerksamkeit für die Flutopfer werden die weniger spektakulären Katastrophen und die andauernde Armut anderswo schnell vergessen. Wer erinnert sich noch an das Erdbeben im Iran genau ein Jahr vor dem Tsunami? Doch den spezialisierten Organisationen, die das Geld am besten einteilen könnten, sind die Hände gebunden.

Ärzte ohne Grenzen etwa dürfen Spenden mit dem Stichwort "Tsunami" nur an der Küste einsetzen - damit aber nicht ein Malaria-Projekt im Hinterland finanzieren. "Wir haben die Konsequenz gezogen und veröffentlicht, dass wir keine Spenden für den Tsunami-Einsatz mehr brauchen", erklärt Gabriele Faber-Wiener von den Ärzten ohne Grenzen Österreich. Mit 40 Millionen Euro an internationalen Spendengeldern ist der "Médecins Sans Frontières"-Hilfseinsatz ausfinanziert. Bereits jetzt steht mehr als doppelt so viel Geld zur Verfügung wie 2003 für die humanitäre Katastrophe in Darfur, wo nach wie vor 1,5 Millionen Menschen obdachlos und vom Hungertod bedroht sind. Die Organisation bittet nun um "freie" Spenden, deren Einsatz sie selbst bestimmen kann. Auch für die Region wäre das besser: "Die Hilfsprojekte dürfen sich um Gottes willen nicht auf die Küsten beschränken, sonst wird die Ungleichheit im Land noch stärker", warnt etwa Martin Baumann von der Welthungerhilfe in Sri Lanka.

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21.1.2005 10:18