Donnerstag, 20. Jänner 2005

Leere Klassenzimmer: Starke Beteiligung an massiven Lehrerstreik in Frankreich

  • Auch Beamte, Pflegepersonal, Finanz-Angestellte dabei
  • Kundgebungen zum "Schutz des öffentlichen Dienstes"

Zwischen 40 und 50 Prozent der französischen Lehrer haben sich in Frankreich an einer Arbeitsniederlegung beteiligt, um gegen die Budgetkürzungen und den Postenabbau durch die Regierung zu protestieren. Nach Angaben des Bildungsministeriums erreichte die Beteiligungsrate 43,3 Prozent in den Grundschulen, 50 Prozent in den Mittelschulen, 43,7 Prozent in den Oberschulen und 40,3 Prozent in den Berufsschulen. Nach Angaben der Gewerkschaften lag die Beteiligung bei 60 Prozent in den Mittel- und bei 50 Prozent in den Oberschulen.

Es ist dies die stärkste soziale Mobilmachung im Bildungswesen seit dem Frühjahr 2003, als die Lehrer in wenigen Monaten 13 Streiktage durchführten, um gegen Sparmaßnahmen und gegen die Altersrentenreform zu protestieren. Auf jeden Fall ist die Beteiligung der Lehrer weit größer als beim letzten Ausstand von 25. Mai 2004, als nur zehn bis 20 Prozent der Lehrer streikten.

Zu einem Streik aufgerufen wurden auch die Beamten der staatlichen Verwaltungsdienste, das Pflegepersonal in den öffentlichen Krankenhäusern und die Funktionäre des Finanzministeriums. Zu dem Ausstand forderten die Gewerkschaften CGT, FO, CFDT, FSU, Unsa, CFTC, und SNUI auf.

Zum "Schutz des öffentlichen Dienstes" fanden in mehreren französischen Städten auch Demonstrationen statt. In Marseille gingen nach Angaben der Organisatoren 15.000 und nach jenen der Polizei 7.500 Personen auf die Straße, in Bordeaux waren es 12.000 Personen nach Angaben der Polizei, in Rouen 4.500 und in Le Havre 2.200. In Paris ist am Nachmittag eine Großkundgebung geplant, an der sich Lehrer, Krankenhauspersonal und Beamte anderer öffentlicher Dienste beteiligen werden.

Der Streik des Bildungspersonals fügt sich in Frankreich in eine Woche der Sozialbewegung, an der sich bereits die Postbeamten, die Eisenbahner, die Angestellten der Elektrizitäts- und Gaswerke (EdF/GdF), die Spitalsärzte und die Richter beteiligt haben. Ausgelöst wurde der Protest durch die Ankündigung der konservativen Regierung, dass die Löhne im öffentlichen Dienst in diesem Jahr um nur ein Prozent angehoben werden sollen.

(apa/red)

20.1.2005 13:49