Donnerstag, 20. Jänner 2005

Erster Nacht-Slalom in Janicas Hinterhof: Weltcup-Zirkus debütiert heute in Zagreb

  • Kostelic: "Sieg auf Sjleme würde mir viel bedeuten"
  • Veranstalter fürchten sich vor radikalen Hooligans

"Ein Sieg auf dem Sjleme würde mir sehr viel bedeuten." Janica Kostelic macht kein Hehl daraus, dass ihr heute (ab 15 Uhr LIVE auf networld.at!) ein Weltcup-Sieg in ihrer Heimatstadt Zagreb eine besondere Herzensangelegenheit wäre. Ob sich die dreifache Olympiasiegerin und zweifache Weltmeisterin auf ihrem Hausberg, auf dem sie als Kind ihre ersten Schwünge absolviert hat, diesen Traum erfüllen kann, wird der hoch dotierte Flutlicht-Slalom zeigen.

Der Weg dorthin führt wohl in erster Linie über die Österreicherin Marlies Schild, die sich zuletzt bei ihren Siegen am Semmering und in Santa Caterina in absoluter Topform präsentiert hat.

Neben diesem Duo gibt es aber vor allem noch die zweifache Saisonsiegerin Tanja Pouitianen, die den Slalom-Weltcup nach vier Podestplätzen vor Schild anführt, und die schwedische Titelverteidigerin Anja Pärson, die jederzeit für absolute Spitzenränge gut sind. Renate Götschl muss damit rechnen, dass sie am Donnerstag ihre in den Speedrennen von Cortina eroberte Führung in der Weltcup-Gesamtwertung wieder verliert. Kommt Kostelic gut durch, ist ihr bei nur neun Zählern Rückstand Platz eins nicht streitig zu machen, doch bei einem eventuellen Ausfall der Lokalmatadorin könnten auch Pärson oder Poutiainen mit einem Sieg an die Spitze vorstoßen.

ÖSV-Damenchef Herbert Mandl ist gespannt darauf, wie Kostelic mit diesem enormen Erwartungsdruck fertig wird. "Das ist eine große Belastung für sie. Außerdem war sie in den technischen Disziplinen zuletzt nicht mehr so locker drauf wie gewohnt. Man muss abwarten, wie sie die Speedbewerbe verkraftet hat", meinte der Coach, dessen Mädchen zuletzt in Innerkrems gut trainiert haben.

ÖSV-Hoffnungen ruhen auf Schild
Er setzt natürlich in erster Linie auf Schild, hofft aber gleichzeitig, dass sich auch andere ÖSV-Läuferinnen in den Blickpunkt rücken können. Wie etwa Niki Hosp, der er einen deutlichen Aufwärtstrend bescheinigt. Die Tirolerin selbst brennt auf ihren nächsten Einsätze: "Ich brauche für die WM noch ein Spitzenergebnis und möchte dann dort voll angasen."

Laut Mandl haben derzeit im Hinblick auf den WM-Slalom Schild, Hosp und Görgl die besten Karten. "Um den vierten Platz gibt es ein Gerangel zwischen Egger, Kirchgasser und Zettel, aber auch Truppe hat noch eine Chance", sagt der Betreuer, der nach den zwei Slaloms in Zagreb und Marburg (Sonntag) klarer sehen wird. Auf der Slalom-Startliste für Marburg steht vorerst auch Götschl, doch wird sie nach den Strapazen von Cortina "eher nicht" antreten.

Radikale Fans befürchtet
Kopfzerbrechen bereitet dem Direktor des Organisationskomitees, Vedran Pavlek, wohl auch ein anderer Punkt. Auch wenn darüber kein Wort nach außen dringt, fürchten die Offiziellen nichts mehr als nationalistische Töne am Rande der Piste. So äußerte ein Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand Befürchtungen, wonach wieder einmal der harte Fan-Kern des Fußballklubs Dinamo Zagreb sein Unwesen treiben könnte.

Zwar sei die Zagreber Polizei in einer Art Alarmbereitschaft, dennoch könnte man eine "Schneeball-Schlacht" der Hooligans kaum verhindern, sagte der besorgte Funktionär. Tatsächlich fielen die Zagreber "Bad Blue Boys" in der Vergangenheit mehrfach unangenehm auf. Bereits in den 80er Jahren lieferten sie ihren Kontrahenten von Roter Stern Belgrad sowie der Polizei wilde Straßen- und Stadionschlachten. (apa)

20.1.2005 07:49