Peinliche Vorstellung: UNO gedenkt der Holocaust-Opfer - und halber Saal ist leer!
- Morak sieht "moralische Mitverantwortung" Österreichs
- Auch der Wiener Sitz der Vereinten Nationen gedenkt
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Erstmals in ihrer Geschichte hat die UNO-Vollversammlung am Montag mit einer Zeremonie in New York der Befreiung der NS-Konzentrationslager vor 60 Jahren gedacht. Die historische Sitzung wurde mit einer Schweigeminute der versammelten Staatenvertreter aus aller Welt eröffnet. Dennoch lieferten die Staaten ein mehr peinliches Schauspiel ab, blieb doch der Sitzungssaal während der Gedenkveranstaltung halb leer.
Der deutsche Außenminister Fischer erinnerte vor der Vollversammlung an die "historisch-moralische" Verpflichtung Deutschlands, jede Form von Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu bekämpfen. Das demokratische Deutschland habe die Lehren aus "dem absoluten moralischen Tiefpunkt" des Nationalsozialismus gezogen.
Fischer sieht "historisch-moralische" Verpflichtung
Israels Außenminister Silvan Shalom würdigte die Gedenkstunde als "historisches Ereignis von weltweiter Tragweite und politischen Erfolg Israels". UNO-Generalsekretär Annan erinnerte anschließend in einer Rede daran, dass die Vereinten Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg als Antwort auf "das Böse des Nationalsozialismus" gegründet wurden.
Der Holocaust-Überlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel warnte vor einer Banalisierung der Erinnerung an die NS-Gräuel. Besonders in Filmen bestehe diese Gefahr, sagte er in einem Interview. Er habe weniger Angst vor dem Vergessen, weil die Tragödie des Holocaust die am besten dokumentierte der Geschichte sei.
Morak: Österreich habe "moralische Mitverantwortung"
Österreich war durch Staatssekretär Morak vertreten. Morak betonte "die moralische Mitverantwortung" Österreichs für den Holocaust. Österreich habe "lange gebraucht, sich einzugestehen, dass auch Österreicher unter den Tätern waren und viele den Nationalsozialismus aktiv unterstützt oder zumindest gebilligt haben."
Es ist das erste Mal, dass die Vereinten Nationen in dieser Form der Befreiung der NS-Konzentrations- und Vernichtungslager gedenken. Anlass ist der 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau. Die UNO war 1945 als Reaktion auf die Weltkriege und den Holocaust gegründet worden.
Saal bei Sondersitzung halb leer
Eine Reihe von Mitgliedstaaten haben sich am Montag offensichtlich nicht oder nur mit wenigen Vertretern an der Sondersitzung der Vereinten Nationen (UNO) zum Gedenken an die Befreiung der NS-Vernichtungslager beteiligt. Der Sitzungssaal der UNO-Vollversammlung blieb während der mehrstündigen Veranstaltung halb leer.
UNO-Vertreter wiesen allerdings darauf hin, dass 150 der 191 Mitgliedstaaten sich zuvor ausdrücklich einer Resolution angeschlossen hatten, mit der die Sondersitzung auf die Tagesordnung gesetzt worden war. Dies sei im Vergleich zu anderen UNO- Sondersitzungen "durchaus eine hohe Zahl", sagte ein UNO-Sprecher. Auch viele arabische Staaten hätten die Einberufung der Gedenkveranstaltung ausdrücklich unterstützt.
Allerdings war unter den 35 Rednern der Sondersitzung mit Jordanien nur ein arabischer Staat vertreten. Das UNO-Protokoll war zunächst nicht in der Lage darüber Auskunft zu geben, welche Staaten möglicherweise keinen ihrer Diplomaten zu der Gedenkveranstaltung entsandt hatten. "Wir führen keine Anwesenheitskontrolle", sagte ein UNO-Beamter. Auch bei anderen Sitzungen wirke der Saal der Vollversammlung oft halb leer, wenn die einzelnen teilnehmenden Delegationen nur wenige Mitglieder hätten.
Auch Wiener UN-Sitz gedachte
Zum 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz haben am Montag rund 200 Vertreter der UNO-Organisationen in Wien der Opfer gedacht. Diplomaten forderten die internationale Gemeinschaft auf sicherzustellen, dass sich die Schrecken des Holocausts niemals wiederholen. Die Zeremonie in Wien fand wenige Stunden vor der Sondersitzung der UN-Vollversammlung in New York statt, bei der sich neben anderen Generalsekretär Kofi Annan auch Staatssekretär Franz Morak mit einer Rede an das Plenum wenden wollten.
Der französische UN-Vertreter Patrick Villemur verwies bei der Gedenkstunde in Wien darauf, dass die Vereinten Nationen gegründet wurden, als der Welt das Ausmaß des Schreckens in den Lagern bewusst geworden sei. Der russische UN-Diplomat Grigori Berdennikow erinnerte daran, dass sowjetische Truppen Auschwitz befreiten. Die Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis bleibe im Weltgedächtnis als schreckliches Verbrechen haften.
Der britische Gesandte bei den UN in Wien, Peter Redmond Jenkins, sagte, nur in enger Zusammenarbeit könne die Welt Völkermord beenden, "wo immer er geschehen mag". Der israelische Diplomat Israel Michaeli erklärte, der jüdische Staat trage für immer die Narben des Holocausts. "Jede Generation muss wachsam sein, damit ein derartiges Übel nie wieder geschieht."
(apa)
