Blair erwartet Veränderungen in Bushs
Politik: Mehr Konsens und Multilateralismus
- U.K. fordert Zeitplan für Truppenabzug aus dem Irak
- "...politisches Signal geben, den Irak zu verlassen"
Der britische Premierminister Tony Blair erwartet für die zweite Amtszeit von US-Präsident George W. Bush eine versöhnlichere Politik der USA. Er erwarte, dass die USA auf internationaler Ebene mehr auf Konsens und Multilateralismus setzten als bisher, sagte Blair in einem Zeitungsinterview. Bush habe sich in seiner ersten Amtszeit weiterentwickelt: "Veränderung kommt mit der Erfahrung", sagte Blair.
Seit dem Beginn des Afghanistan-Krieges im Oktober 2001 sei die US-Regierung zu dem Schluss gekommen, "dass wir zwar sicherheitspolitische und militärische Schritte gegen den Terrorismus unternehmen können, aber dass die Aussicht auf friedliche Koexistenz in der Verbreitung von Demokratie und Menschenrechten liegt", zeigte sich Blair überzeugt. Er nannte es "bezeichnend", dass die erste Auslandreise des US-Präsidenten in seiner Amtszeit Bush im Februar nach Europa führen werde. Bush sollte am Donnerstag in einer feierlichen Zeremonie in Washington für seine zweite Amtszeit vereidigt werden.
Großbritannien will Zeitplan für Truppenabzug aus dem Irak
Großbritannien fordert von den USA einen provisorischen Zeitplan für den Abzug aus dem Irak. Die Regierung von Premierminister Blair hoffe, dass US-Präsident Bush zustimmen werde, innerhalb von zwei bis drei Monaten eine formelle Erklärung dazu abzugeben, berichtete der "Daily Telegraph" am Donnerstag unter Berufung auf eine ungenannte Quelle in der Regierung.
Großbritannien, der engste Verbündete der USA im Irak-Krieg, gehe davon aus, dass ein Orientierungsrahmen für einen Abzug Iraks Übergangsregierung stärken und die Rebellen schwächen würde. "Mit einem Zeitplan würde ein wichtiges politisches Signal gegeben, dass wir die Absicht haben, den Irak zu verlassen", zitierte das Blatt aus den Regierungskreisen. "Amerika weiß, dass es sich der Sache schon bald annehmen muss." Das britische Außenministerium lehnte einen Kommentar dazu ab.
Eine Debatte über einen Abzug aus dem Irak könnte Blairs Labour- Regierung helfen, die Gunst der Irakkriegs-Gegner auch in der eigenen Partei wieder zu gewinnen. Es wird erwartet, dass Blair für Mai Parlamentswahlen ansetzt. Unter Druck geriet die Regierung am Mittwoch durch die Veröffentlichung von Fotos, die britische Soldaten im Irak bei der Folterung von Einheimischen zeigen.
(apa/red)
